Güterverkehr auf der Schiene boomt weiter

02.09.2008 16:38 Uhr

Nach dem Rekordjahr 2007 hat die Transportleistung auch im ersten Halbjahr 2008 dank der guten Konjunktur zugelegt - Verbände fordern Netzausbau und Verlängerung der Gleisanschlussförderung

Wiesbaden. Der Güterverkehr auf der Schiene boomt weiter. Nach dem Rekordjahr 2007 hat die Transportleistung auch im ersten Halbjahr 2008 dank der guten Konjunktur zugelegt, wie das Statistische Bundesamt am Dienstag in Wiesbaden berichtete. Auf dem deutschen Schienennetz wurden in den ersten sechs Monaten 189,8 Millionen Tonnen Güter transportiert, ein Plus von 5,4 Prozent gegenüber dem gleichen Zeitraum im Vorjahr. Die Transportleistung, also das Produkt aus Tonnage und Transportstrecke, stieg um 3,7 Prozent auf 59,7 Milliarden Tonnenkilometer. Der Binnenverkehr war mit einem Plus von 6,5 Prozent auf 118,4 Millionen Tonnen der wesentliche Wachstumsträger, teilten die Statistiker mit. Dagegen wuchsen Sendungen ins und vom Ausland schwächer und auch der Transit spielte auf der Schiene mit 11 Millionen Tonnen (+4,8 Prozent) weiterhin eine untergeordnete Rolle. Die durchschnittliche Transportweite verringert sich von 320 auf 315 Kilometer. Im vergangenen Jahr hatte der Güterverkehr auf der Schiene den Höchststand von 115 Milliarden Tonnenkilometern erreicht. Die Transportmenge war auf 361 Millionen Tonnen gestiegen, der fünfte Zuwachs in Folge. Die Höchststände bei der Menge wurden allerdings Anfang der 90er Jahre erzielt, als noch mehr Kohle per Schiene transportiert wurde. Damals wurden aber häufiger kürzere Strecken zurückgelegt. Die Masse der von 37 verschiedenen Bahnunternehmen transportierten Güter waren Eisen und Metalle (34,5 Millionen Tonnen) sowie Kohle (25,5 Millionen Tonnen). Ein überdurchschnittliches Wachstum von 21,7 Prozent verzeichneten die Transporteure bei Erzen und Metallabfällen (19,1 Millionen Tonnen). Rund 18 Prozent der Güter wurden in Containern durchs Land gefahren, ein Plus von 13,4 Prozent gegenüber dem ersten Halbjahr 2007. Geringere Mengen gab es zum Beispiel bei landwirtschaftlichen Erzeugnissen, Düngemitteln sowie bei Steinen und Erden. Die Steigerungen hat der Verband „Allianz pro Schiene“ zum Anlass genommen, erneut den Ausbau des Netzes zu verlangen. „Der Schienengüterverkehr wächst seit Jahren prozentual stärker als der LKW-Verkehr. Während das Straßennetz Jahr für Jahr vom Staat ausgebaut wird, schrumpft das Bundesschienennetz kontinuierlich. Wir brauchen eine Infrastrukturoffensive für die Schiene. Das Schienennetz muss endlich mit den Warenströmen mitwachsen“, forderte der Geschäftsführer der Organisation, Dirk Flege, in Berlin. Die heute vorgelegten Zahlen des Statistischen Bundesamts zeigen den ungebrochenen Zuwachs im Schienengüterverkehr. Im ersten Halbjahr 2008 stieg das Aufkommen verglich-en mit dem Vorjahreszeitraum um über fünf Prozent. „Das ist ein stolzes Ergebnis“, bewertet Hauptgeschäftsführerin Dr. Claudia Langowsky die aktuellen Zahlen. „Diese Steigerung geht auch auf die Gleisanschlussförderung des Bundes zurück und belegt, dass das Pro-gramm dringend fortgeführt werden muss“, so Claudia Langowsky, Hauptgeschäftsführerin des Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Am 31. August 2009 laufe das Programm aus. Im Jahr erspare der Schienengüterverkehr Deutschland eine LKW-Schlange von 1,3 Millionen Kilometern – eine Kolonne, die 33 Mal um die Erde führe. Laut Bundesverkehrsministerium werde die Transportleistung im Güterfernverkehr bis 2025 um weitere 74 Prozent steigen Die Zahlen würden die Effizienz des Gleisanschlussprogramms belegen. Bisher konnte im Rahmen von 45 Logistikprojekten eine jährliche Verkehrsleistung von 1,5 Milliarden Tonnen-Kilometern von der Straße auf die Schiene verlagert werden. Dieses Ergebnis wurde mit einem Mitteleinsatz von 35 Millionen Euro erreicht. Alle Unternehmen der verladenden Wirtschaft, die Güter über die Schiene empfangen oder versenden, können das Programm nutzen. Sie müssen sich verbindlich dazu verpflichten, dauerhaft Verkehre auf die Schiene zu verlagern. Derartige Effekte ließen sich bisher nahezu in allen Güterbereichen erzielen. Die Bereiche Baustoffe/Massengüter, Metalle, Holz sowie Mineralöl haben die größten Anteile. Aber auch Projekte in den Bereichen Entsorgungslogistik konnten erfolgreich realisiert werden. Um die Gleisanschlussrichtlinie wirksamer zu machen, fordert der VDV, dass auch Nebenanschlüsse in das Programm aufgenommen werden. Gerade diese indirekten Verbindungen böten ein hohes Zukunftspotential für den Schienengüterverkehr. Dies betreffe beispielweise Unternehmen in Industrieparks oder Binnenhäfen, die genauso wie Direktanschließer die Schiene stärker oder gänzlich neu in ihre Beschaffungs- und Distributionslogistik integrieren wollen. (sv/dpa)

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