Gespräch mit ITF-Chef Short: Globaler Transport in der Krise

26.05.2009 10:30 Uhr
Jack Short
Jack Short
© Foto: International Transport Forum

Chef des International Transport Forum fordert neues Denken für globales Transportsystem: „Der Transportsektor ist von der Krise stärker betroffen, als andere Branchen“

Leipzig. Unter dem Eindruck der weltweiten Wirtschaftskrise hat der Chef des International Transport Forum (ITF), Jack Short, zu einem neuen Denken für das globale Transportsystem des 21. Jahrhundert aufgefordert. „Der Transportsektor ist von der Krise stärker betroffen, als andere Branchen“, sagte er zum Auftakt des Weltverkehrsforums in Leipzig in einem Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur dpa. Die Auswirkungen auf Verkehr, Transport und Logistik seien schwerwiegend. Bei dem Forum unter dem Dach der Industrieländervereinigung OECD beraten seit Dienstag Wissenschaftler, Verkehrsminister der 52 Mitgliedsstaaten und Wirtschaftsführer über globale und regionale Verkehrsprobleme und über Wege aus der Krise. Für 2009 werde für den Transportsektor weltweit ein Rückgang von 20 bis 30 Prozent erwartet. „Viele Unternehmen schließen, viele Jobs gehen verloren“, sagte Short. Bereits jetzt hätten weltweit allein im Straßentransport 140.000 Menschen ihre Arbeit verloren. „Niemand hat je einen solchen Einbruch erlebt, wie jetzt.“ Ungleichgewicht in der Weltwirtschaft Derzeit bestehe ein Ungleichgewicht in der Weltwirtschaft, die Warenströme seien gestört. „Wir wissen noch nicht, wie sich das entwickelt“, aber Strukturen müssten überdacht, bestehende Modelle auf den Prüfstand gestellt werden, sagte Short. Er hoffe, dass in dieser Hinsicht Impulse vom Weltverkehrsforum ausgehen. Längerfristig sehe er auch in der Finanzierung ein Problem. Derzeit versuchten die Regierungen mit Konjunkturpaketen Jobs zu retten und nähmen dafür Schulden auf. Es frage sich, woher solle das Geld in Zukunft kommen. Hier müsse es eine Balance zwischen öffentlicher und privater Finanzierung geben. Short warnte vor Protektionismus und nationalen Lösungsversuchen. „In der Krise müssen wir weiter international denken und die Märkte weiter offen halten.“ Mit Blick auf CO2-Ausstoß und Klimawandel räumte er ein, wenn jetzt aktuell die Prioritäten auf der Rettung von Jobs lägen, drohten Umweltschutzziele vorübergehend in den Hintergrund zu geraten. Es gebe aber nach wie vor eine große Menge von Bemühungen für den Umweltschutz. Das sei weiterhin ein Thema, „es ist im Bewusstsein.“ (dpa)

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