Frankfurt/Main. Mitten im schärfsten Wirtschaftsabschwung in der Geschichte der Bundesrepublik beginnt in Frankfurt jetzt ein Milliardenprojekt: Der Rhein-Main-Flughafen wird um eine neue Piste ergänzt und erhält ein drittes Terminal. Die letzten Eilanträge von Kommunen und Anwohnern gegen den seit Jahren umstrittenen Baubeginn wurden gestern vom Verwaltungsgerichtshof Kassel abgewiesen, spätestens im Anfang Februar soll nun mit der Rodung im Kelsterbacher Wald nordwestlich des Flughafens begonnen werden. Die Hoffnungen der Politik und der Wirtschaftsverbände der Region auf den „Jobmotor Flughafen“ sind groß. „Die Entscheidung der Kasseler Richter ist ein kraftvolles Signal für 40.000 neue Arbeitsplätze in Hessen, die nur durch einen Ausbau geschaffen werden können“, sagt etwa Hessens Wirtschaftsminister Alois Rhiel (CDU). Bereits heute ist das Drehkreuz mit seinen 70.000 Arbeitsplätzen die größte Arbeitsstätte in Deutschland. Vier Milliarden Euro will der Flughafenbetreiber Fraport nun in den Ausbau an seinem Heimatstandort investieren. Noch einmal drei Milliarden Euro sind für die Sanierung bestehender Anlagen verplant. Die Kapazität des Flughafens, der zuletzt gut 50 Millionen Passagiere im Jahr zählte, soll damit um rund die Hälfte erhöht werden. Denn zuletzt hatte der größte deutsche Flughafen immer häufiger Anfragen von Airlines nach Start- und Landesrechten ablehnen müssen. Dabei steht die Konkurrenz in den Startlöchern: In Dubai wird ein Flughafen mit sechs parallelen Pisten gebaut, auch London beschloss am gestern den Bau einer neuen Piste. Fluggesellschaften weichen auf andere Airports aus. Fraport fürchtet deshalb, im internationalen Wettbewerb den Anschluss zu verlieren. Denn der Luftverkehr gilt trotz der Zyklen in der Konjunktur als langfristig wachstumsstark. Experten schätzen die jährliche Zunahme auf etwa vier Prozent. Und wenn es wegen Terror, Naturkatastrophen oder der Wirtschaftslage mal etwas abwärtsgeht, werden die Dellen nach den Erfahrungen der vergangenen Jahrzehnte meist schnell wieder mehr als ausgeglichen. Dennoch ist die Luftfahrt-Branche mit der Entscheidung der Kasseler Richter nicht richtig zufrieden. Denn mit der Erlaubnis zum sofortigen Ausbau brachte das Gericht auch ernste Bedenken gegen die ihrer Meinung nach zu vielen Nachtflüge ins Spiel. 150 Flüge pro Nacht - das hat aus Sicht der Richter mit „Schutz der Nachtruhe“ nicht viel zu tun. In der „Kern-Nacht“ von 23.00 bis 6.00 Uhr will das Gericht nach derzeitigem Stand planmäßige Starts und Landungen schon gar nicht zulassen - die Baugenehmigung sah 17 Flüge vor. Vor allem Frachtfluggesellschaften und Ferienflieger sehen sich ohne Nachtflüge ihrer Geschäftsgrundlage beraubt. „Man kann so ein Drehkreuz wie Frankfurt nicht stundenlang vom Weltwarenverkehr entkoppeln“, sagt Lufthansa-Sprecher Peter Schneckenleitner. Die Cargo-Tochter der Lufthansa ist die weltweit zweitgrößte Frachtfluggesellschaft. Die Lufthansa pocht auf 41 Flüge in der „Kern-Nacht“ und hat bereits Klage eingereicht. Auch der Bundesverband der Deutschen Fluggesellschaften (BDF) will von einem strikten Nachtflugverbot nichts wissen. Lufthansa-Cargo-Chef Carsten Spohr hatte bereits im vergangenen Sommer gedroht, ohne ausreichend Nachtflüge werde das Unternehmen woanders investieren: etwa in Leipzig oder München. Der Flughafen der bayerischen Hauptstadt ist bereits jetzt dabei, Frankfurt Konkurrenz zu machen. Die Sprecherin des Ferienfliegers Condor, Nina Kreke, kritisiert: „Wir müssen in Deutschland sehr früh starten und abends spät zurückkommen.“ Kreke warnt: „Sonst würden Urlaubsreisen sehr, sehr teuer.“ (dpa/ak)
Gerichtsentscheid: Bau der neuen Frankfurter Landebahn kann beginnen
Der Bau des dritten Terminals am Frankfurter Flughafen kann beginnen. Gericht weist Eilanträge zurück. Lufthansa Cargo muss aber wieder um Nachtflugerlaubnis bangen.