Paris/ Istanbul/ Berlin. Nach dreitägiger Geiselhaft haben Seeräuber vor der Küste Nigerias die neunköpfige Besatzung eines französischen Schiffes freigelassen. Die Ex-Geiseln seien in guter Verfassung, teilte der Schiffseigner Bourbon am Mittwoch auf seiner Website mit. Weitere Details zur Freilassung oder zu Forderungen der Geiselnehmer wurden zunächst nicht bekannt. Zur Mannschaft gehören fünf Nigerianer sowie Männer aus Ghana, Kamerun und Indonesien. Sie waren in der Nacht zum Sonntag auf dem für Ölfirmen fahrenden Versorgungs- und Transportschiff überfallen worden. Bereits Ende Oktober war eine Bourbon-Besatzung vor der westafrikanischen Küste entführt worden. Sie kam im November frei. Frankreich habe kein Lösegeld bezahlt, hieß es damals aus dem französischen Außenministerium. Bourbon hält für Öl- und Gasunternehmen Förderanlagen vor Küsten instand und befördert Material und Personal. Nigeria ist der wichtigste Ölproduzent Afrikas. Seine Erdölreserven werden auf 36 Milliarden Barrel (je 159 Liter) geschätzt. Auch im Golf von Aden haben Somalische Piraten ein gekapertes türkisches Frachtschiff nach der Zahlung eines Lösegeldes freigegeben. Die am 29. Oktober mit 20 Mann Besatzung an Bord verschleppte „M/V Yasa Neslihan“ sei bereits unterwegs Richtung China, sagte ein Anwalt der türkischen Reederei Ya-Sa Denizcilik am Mittwoch. Zur Höhe des Lösegeldes äußerte er sich der Anwalt nicht, wie türkische Medien berichteten. Das Schiff hat 77.000 Tonnen Stahl aus Kanada geladen. Somalische Piraten haben noch drei weitere türkische Schiffe in ihrer Gewalt. Verteidigungsminister Franz Josef Jung (CDU) hat indes vorgeschlagen, die von der Bundeswehr vor Ostafrika festgenommenen Piraten vor einen internationalen Gerichtshof zu stellen. „Dafür muss eine rechtliche Regelung geschaffen werden“, sagte Jung den in Dortmund erscheinenden „Ruhr Nachrichten“ (Mittwoch). Die Straftaten der Piraten dürften nicht folgenlos sein. Der Bundeswehr-Einsatz war in die Kritik geraten, weil die Soldaten bei ihrem ersten Anti- Piraten-Einsatz unter EU-Mandat Ende Dezember die gefangenen Seeräuber entwaffnet und dann freigelassen hatten. (dpa/ag)
Gekaperte Transportschiffe vor Nigeria und Somalia wieder freigegeben
Verteidigungsminister Jung fordert rechtliche Konsequenzen für festgenommene Piraten