Frankfurt/Main. Dank guter Wirtschaftslage sind im vergangenen Jahr so wenige Firmen in Deutschland in die Pleite geschlittert wie seit Ende der 1990er Jahre nicht. Allerdings dürften Handelsstreit, Brexit-Sorgen und die allgemeine Abkühlung der Konjunktur nach Einschätzung der Wirtschaftsauskunftei Crifbürgel die seit Jahren anhaltende Tendenz zum Sinken der Insolvenzfälle stoppen.
„2019 wird die Trendumkehr eingeleitet und wir erwarten einen Anstieg bei den Firmeninsolvenzen“, erklärte Geschäftsführerin Ingrid Riehl am Donnerstag. Gefährdet seien unter anderem „Zombie-Unternehmen“, die das derzeitige Niedrigzinsumfeld am Markt halte, die aber unter normalen Bedingungen nicht wettbewerbsfähig wären.
Logistik ist Insolvenzspitzenreiter
Im Jahr 2018 meldeten nach Crifbürgel-Angaben 19.552 Unternehmen in Deutschland Insolvenz an. Ein Jahr zuvor waren es 20.276. Die Zahl sei zum neunten Mal in Folge gesunken und habe den tiefsten Stand seit Einführung der neuen Insolvenzordnung im Jahr 1999 erreicht. Ähnliche Zahlen hatte Mitte Dezember Creditreform veröffentlicht. Die amtliche Statistik des Bundesamtes folgt mit Zeitverzögerung. Für das Gesamtjahr 2018 geht die Wiesbadener Behörde nach vorläufigen Berechnungen von 19 800 Unternehmensinsolvenzen in Deutschland aus.
Vier von fünf (82 Prozent) der insolventen Unternehmen hatten nicht mehr als fünf Mitarbeiter. Die Insolvenzschäden summierten sich auf knapp 22 Milliarden Euro. Die Logistik steht mit 85 Firmeninsolvenzen je 10.000 Unternehmen an der Spitze der Auswertung der Hauptbranchen. Der Bundesschnitt lag bei 59 Fällen je 10.000 Unternehmen. Vor allem Post-, Kurier,- und Expressdienste waren mit 415 Insolvenzen je 10.000 Unternehmen überdurchschnittlich bedroht. In der Zehn-Jahres-Betrachtung sind aber auch in der Logistik die Unternehnmensinsolvenzen deutlich gesunken - um 30 Prozent gegenüber 2009. (dpa/ag)