Konsumgüterhersteller müssen sich auf einen Selbstabholungsanteil durch den Handel zwischen zehn und fünfzig Prozent einstellen. Dies bringt nicht nur neue Herausforderungen für das Versand- und Lagermanagement mit sich. Auch auf Kalkulation und Preisverhandlungen hat der Trend zur Selbstabholung Einfluss: Schließlich spart sich der Hersteller die Kosten für eine häufig filigrane Warendistribution und wird vom Handel prompt aufgefordert, seine Listenpreise entsprechend zu reduzieren. Ähnliches gilt übrigens, wenn der Handel zwar nicht abholt, der Hersteller jedoch statt der Outlets künftig Zentralläger oder zentrale Umschlagpunkte für Transshipment beziehungsweise Cross Docking bedient. Konsumgüterhersteller müssen ihre Logistik- und Transportkosten separat kalkulieren und ausweisen. Ideal ist es, wenn die Unternehmen mit klar geregelten Logistikrabatten in Preisverhandlungen gehen. Darin kann zum Beispiel definiert werden, wie der Einkaufspreis bei Selbstabholung von Ganzpaletten, Lagen oder einzelnen Verpackungseinheiten aussieht. Künftig sollten nicht nur Einkäufer und Verkäufer, sondern auch Logistikexperten mit am Verhandlungstisch sitzen. Oder noch besser ein neutraler Logistikberater, der die möglichen Lieferketten bewertet, um brach liegende Potenziale und die beste Form des Warenaustauschs zu definieren. Pro Partner und Warengruppe ist die Logistikkette genau durchzurechnen. Alles über einen Kamm zu scheren, kostet letztlich mehr Geld, Zeit und Nerven als individuelle Analysen.
Expertentipp: Selbstabholung durch Handel meistern
Expertentipp vom Berliner Unternehmensberater Dr. Michael Mehldau, Mitglied der Geschäftsleitung Zentrum für Logistik und Unternehmensplanung (ZLU), zum Thema Selbstabholung durch den Handel.