DIHK-Umfrage: Hohe Dieselpreise belasten Branche

11.08.2008 16:40 Uhr
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Hohe Dieselpreise belasten besonders den Mittelstand (Bild: ddp)

Transportunternehmen rechnen mit fünf bis zehn Prozent höheren Kosten durch steigende Energiepreise

Berlin. Die Erhöhung des Dieselpreises führt zu einem erheblichen Kostenanstieg in der Transportbranche. Dies ist das Ergebnis einer Umfrage des Deutsche Industrie- und Handelskammertags (DIHK) unter 120 Unternehmern Ende Juli zu den Auswirkungen der steigenden Energiepreise auf die Verkehrsbranche. Die überwiegende Zahl der befragten Betriebe setzt demnach die Mehrkosten bei fünf bis zehn Prozent an. Diese Zahlen gelten laut DIHK sowohl für den Straßengüterverkehr als auch für das Bus- und Taxigewerbe. Der Anteil der Kraftstoffkosten an den Gesamtkosten eines LKW liegt – abhängig von Fahrzeuggröße und dem Einsatzgebiet – bei etwa 25 Prozent. DIHK-Hauptgeschäftsführer Martin Wansleben rät den Betroffenen dringend das Gespräch mit ihren Geschäftspartnern zu suchen: „Die Auftraggeber müssen sich überlegen, ob eine kurzfristige Kosteneinsparung den Verlust eines zuverlässigen Transportunternehmens rechtfertigt. Gefordert ist aber auch die Politik. Angesichts der dramatischen Lage im Transportgewerbe muss die geplante Mauterhöhung zum Januar 2009 ausgesetzt werden.“ Um die Einnahmen zu erhöhen, bemühen sich deshalb fast alle befragten Unternehmen derzeit um eine Weitergabe der Kosten an die Auftraggeber. Zahlreiche Betriebe führen nach laut Umfrage hierzu Gespräche mit ihren Kunden. Mit vielen Kunden wurden bereits Dieselzuschläge bzw. Gleitklauseln vereinbart oder es werden Verhandlungen hierüber geführt. Versucht wird aber auch, die Kosten zu senken: So wird der Kraftstoffverbrauch durch Fahrerschulungen und den Erwerb sparsamerer Fahrzeuge gesenkt, die Auslastung durch stärkere Ladungsbündelung weiter erhöht und der Leerfahrtenanteil minimiert. Größere Unternehmen verstärken ihre Ladungsbündelung durch den Aufbau zusätzlicher regionaler Umschlagpunkte. Unternehmen, die grenzüberschreitend tätig sind, tanken verstärkt im Ausland – beispielsweise in Belgien und Luxemburg, wo die Kraftstoffpreise deutlich niedriger sind als in Deutschland. In einzelnen Fällen werden auch Transporte auf andere Verkehrsträger, etwa die Bahn und das Binnenschiff verlagert. Als Maßnahme um den steigenden Kosten zu begegnen wurden laut DIHK von den befragten Unternehmen auch das Zurückfahren von Investitionen und der Abbau von Mitarbeitern genannt. Die langfristigen Planungen unterscheiden sich nicht wesentlich von den kurzfristigen Reaktionen: An erster Stelle stehen Verhandlungen mit den Kunden und die Aufnahme von Dieselgleitklauseln in alle künftigen Speditionsverträge. Auf langfristige Vereinbarungen über Frachtpreise ohne Gleitklauseln wollen sich die Transportunternehmen nicht mehr einlassen. Um Kosten zu senken, werden Kooperationen mit anderen Transportunternehmen zum günstigeren Einkauf von Fahrzeugen und Kraftstoff ins Auge gefasst. Geprüft werde auch, ob Kooperationen zur besseren Auslastung von Fahrzeugen geeignet sind. Auf Seiten der Auftraggeber besteht nach Auskunft der Befragten Unternehmen zwar Verständnis für die Probleme des Transportgewerbes und ein Interesse am Erhalt von Anbietern mit hoher Qualität. Allerdings schwindet dieses Verständnis bei ständig weiter steigenden Kosten, zumal die Verlader durch steigende Energiepreise ebenfalls erhebliche Mehrausgaben zu tragen haben. Die Verhandlungsposition der Kunden wird dabei als gut angesehen, da derzeit genügend Fahrzeuge auf dem Markt sind. Von Auftraggebern wird eine stärkere Nutzung von Bahn und Binnenschiff erwogen. Zudem überdenken sie ihre Beschaffungsstrategie. Konkret bedeutet das, dass Lieferungen weniger häufig erfolgen sollen, aber dafür größere Mengen angeliefert werden sollen. Darüber hinaus wird davon ausgegangen, dass Transporte künftig verstärkt mit ausländischen Transportunternehmen durchgeführt werden. Ein Großteil der Befragten erwarten für die Verkehrsbranche erhebliche Veränderungen. Sie gehen davon aus, dass gerade mittelständische Familienunternehmen schließen müssen. Gewinner werden demnach große Anbieter sein, die international agieren und in Konzerne eingebunden sind. Diese Global Player werden weitere Marktanteile gewinnen. Zunehmen werde auch die Zahl der Kleinstbetriebe also der Ein-Mann-Unternehmen, die aber nicht selbst akquirieren, sondern als Subunternehmer für größere Anbieter fahren. Die Auftraggeber fürchten aber auch eine Verringerung des Frachtraums durch das Ausscheiden von Transportunternehmen. (sb)

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