Die Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL) wird die Tarifverhandlungen mit der Deutschen Bahn fortsetzen. Das erklärte ein Gewerkschaftssprecher gegenüber der „Deutschen Presse-Agentur“. Die Bahn hatte der Gewerkschaft am Dienstag, 10. Februar, ein erstes Angebot vorgelegt und die GDL danach ein Scheitern der Verhandlungen nicht ausgeschlossen. Nun aber gehen die Gespräche nach Beratungen der Gewerkschaftsgremien doch weiter.
Tarifpartner noch weit auseinander
Das Angebot der Deutschen Bahn sieht in Summe 6 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten bei einer Laufzeit des Tarifvertrags von 30 Monaten vor. Am Dienstagnachmittag hatte GDL-Chef Mario Reiß das Angebot als „so niederschwellig“ bezeichnet, dass es die GDL-Kollegen erst mal „verdauen“ müssten. DB-Personalvorstand Martin Seiler hatte das Angebot hingegen als „gut und sehr weitreichend“ bezeichnet. Die GDL fordert in den Verhandlungen bisher unter anderem 8 Prozent mehr Geld für die Beschäftigten bei einer Laufzeit von 12 Monaten. 3,8 Prozent davon sollen über eine Entgelterhöhung erzielt werden. Die weiteren Erhöhungen will die Gewerkschaft über Umstrukturierungen im Tarifsystem erreichen, etwa mit der Einführung einer neuen Tarifstufe.
Anpassungen im Tarifsystem
Das Angebot der Bahn sieht eine Entgelterhöhung von 3,8 Prozent in zwei Schritten vor. 2 Prozent soll es demnach zum 1. September dieses Jahres geben, 1,8 Prozent ein Jahr später. Die übrigen 2,2 Prozent sollen über sogenannte Strukturanpassungen im Tarifsystem erfolgen, zum einen über die Einführung einer weiteren Entgeltstufe, zum anderen über gezielte Erhöhungen bei Entgelt und Zulagen für Beschäftigte im operativen Bereich. Zudem ist eine Einmalzahlung in Höhe von 400 Euro vorgesehen.
Verhandlungen über das Tarifeinheitsgesetz
Ein weiteres Thema bei den Verhandlungen zwischen der DB und der GDL ist das Tarifeinheitsgesetz. Dieses sieht im Kern vor, dass in einem Betrieb nur die Tarifverträge derjenigen Arbeitgebervertretung angewendet wird, die dort die Mehrheit der Mitglieder hat. Arbeitgeber und Gewerkschaften können aber auch Ausnahmen davon vereinbaren – das hat die Deutsche Bahn der GDL nun vorgeschlagen. Damit könnten Konzern und Gewerkschaft einen jahrelangen Konflikt bei diesem Thema beenden. Die Tarifverträge der GDL kommen nur in 19 der rund 300 Betriebe der Deutschen Bahn zur Anwendung. GDL-Mitglieder in anderen Betrieben haben also bislang nichts vom Einsatz ihrer Gewerkschaft bei Tarifverhandlungen. Mit dem Verhandlungsangebot der Bahn könnte sich das zumindest bei einigen Tarifvertragsthemen ändern.