DaimlerChrysler: Schrempp tritt zurück

28.07.2005 10:10 Uhr
Schrempp
© Foto: Verkehrsrundschau online

Neuer DaimlerChrysler-Vorsitzender wird der bisherige Chrysler-Chef Dieter Zetsche. Mercedes-Chef Eckhard Cordes sieht sich vom Aufsichtsrat nicht ausreichend unterstützt und bietet Rücktritt an

Stuttgart. DaimlerChrysler-Chef Jürgen Schrempp, 60, verlässt nach zehn Jahren an der Spitze völlig überraschend den Autokonzern. Am 1. Januar 2006 tritt der bisherige Chrysler-Chef Dieter Zetsche, 52, die Nachfolge als Vorstandsvorsitzender an, teilte das Unternehmen nach einer Aufsichtsratssitzung mit. Die Börse reagierte auf die Nachricht mit einem Kurssprung von bis zu zehn Prozent. Auch Eckhard Cordes hat nach Informationen des Online-Dienstes des „Manager Magazins“ den Aufsichtsrat von DaimlerChrysler gebeten, seinen Vertrag aufzulösen. Der Mercedes-Chef galt ebenfalls als Kandidat für den Posten des Vorstandsvorsitzenden. Der Aufsichtsrat hat, wie es heißt, um Bedenkzeit gebeten. Ein Sprecher des Konzerns wollte dies zunächst nicht kommentieren. Die Begründung für Cordes' Entscheidung sei, dass er nicht mehr glaube, das volle Vertrauen des Aufsichtsrates hinter sich zu haben. Die notwendige Sanierung der angeschlagenen Marke Mercedes sei jedoch so tief greifend, dass er die volle Unterstützung der Kontrolleure brauche. Aufsichtsratschef Hilmar Kopper erklärte, dass Schrempp und das Kontrollgremium sich einig seien, dass Ende 2005 der optimale Zeitpunkt für einen Wechsel in der Führung des Unternehmens gekommen sei. Die Beschlüsse seien im Aufsichtsrat einstimmig gefasst worden. Der ehemalige Deutsche-Bank-Chef werde seinen Posten als Aufsichtsratsvorsitzender wie geplant bis April 2007 erfüllen, hieß es in Kreisen. Der Aufsichtsrats-Vizechef und Gesamtbetriebsratsvorsitzende Erich Klemm würdigte Schrempp als geradlinig und verlässlich. Er habe sich stets zur Mitbestimmung bekannt. Neuer Chrysler-Chef wird wieder ein Amerikaner, der bisherige zweite Mann bei dem amerikanischen Autobauer, Tom LaSorda, 51. Er ist bereits Mitglied im DaimlerChrysler-Vorstand. Die neue amerikanische Führungsspitze bei der wiedererstarkten Chrysler-Group wird komplettiert mit dem neuen Vize-Chef Eric Ridenour, 47, der auch Vorstandsrang im Konzern erhält. Schrempp wechselt nicht in Aufsichtsrat Schrempps Schritt kam sehr überraschend. Der Manager selber schrieb in einem Brief, dass es gelungen sei, nach sorgfältiger Vorbereitung die Meldung über seinen Rückzug ohne vorherige öffentliche Diskussion bekannt zu geben. Schrempp werde weder in den Aufsichtsrat des Unternehmens rücken noch einen Beratervertrag bekommen, hieß es in Unternehmenskreisen. Branchenbeobachter hatte eher damit gerechnet, dass der Vorstandschef im Jahr 2007 ausscheiden könnte. Der Vertrag von Schrempp läuft noch bis April 2008. Auf eine Auszahlung des Restvertrages wolle Schrempp verzichten, sagte ein Sprecher auf Anfrage. Schrempp wird von Analysten und Aktionären seit Jahren wegen seiner Strategie der „Welt-AG“ kritisiert. Ihm wurden unter anderem der misslungene Einstieg beim maroden japanischen Autokonzern Mitsubishi angelastet. Umgekehrt gilt der Aufbau des Luft- und Raumfahrtkonzerns EADS als sein Meisterstück. Auch der lange kritisierte Zusammenschluss mit Chrysler im Jahr 1998 hat sich inzwischen zum Positiven gewendet. (dpa/sb)

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