Berlin. Der Berliner SPD-Landes- und Fraktionsvorsitzende Michael Müller hat den Bund aufgefordert, den für 27. Oktober geplanten Börsengang der Deutschen Bahn (DB) zu verschieben. „Die Bundesregierung wäre gut beraten, wenn sie mit kühlem Kopf abwartet, bis wieder Ruhe an den Kapitalmärkten eingekehrt ist“, forderte Müller heute in Berlin. „Der jetzt geplante Börsengang der Bahn muss verschoben werden“, sagte er angesichts der dramatischen Auswirkungen der Finanzmarktkrise. Eine solche Privatisierung im Bereich der Daseinsvorsorge sei „grundsätzlich problematisch“, kritisierte Müller. „Wenn nun zusätzlich das Umfeld mit abstürzenden Aktienkursen derart schlecht ist und damit auch ein finanzieller Reinfall droht, muss die Bundesregierung die Konsequenzen ziehen.“ Es gehe schließlich um öffentliche Gelder. Die Bundestagsfraktion von Bündnis 90/Die Grünen fordert ebenfalls den Börsengang angesichts der internationalen Finanzkrise zu verschieben. Die Grünen brachten heute einen entsprechenden Antrag im Bundestag ein. Die bundeseigene Deutsche Bahn will 24,9 Prozent ihrer künftigen Börsentochter DB Mobility Logistics an private Investoren verkaufen. Darin sind der Personen- und Güterverkehr sowie Dienstleistungen gebündelt. In Finanzkreisen werden wegen der Kapitalmarktkrise Abschläge auf den erhofften Milliardenerlös erwartet. Die Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger (SdK) rechnet damit, dass das schwierige Umfeld überzogene Vorstellungen verhindere und einen „realistischen Preis“ für die DB-Aktie bewirken könne. Dann verbesserten sich auch die Aussichten für Anleger, von späteren Kursgewinnen profitieren zu können, sagte SdK-Sprecher Michael Kunert in Berlin. Es müsse aber sichergestellt werden, dass Kleinanleger Aktien bekommen könnten. (dpa/sb)
Bundesregierung soll Bahn-Börsengang verschieben
Finanzmarktkrise belastet Teilprivatisierung der Deutschen Bahn / Grüne und Berliner SPD fordern Aussetzen der Börsenpläne