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Brennerroute: Widerstand gegen Bahnneubau im Inntal trägt Früchte

Neubaugegner kritisieren, dass das Raumordnungsverfahren nicht den Ausbau der bestehenden Strecke einbezieht - das würde nach Ansicht von Bürgerinitiativen völlig ausreichen
© Foto: Matthias Balk/dpa/picture-alliance

Jetzt lehnte der Rosenheimer Kreistag alle fünf Trassenvorschläge der Deutschen Bahn "aufgrund der schwerwiegenden raumordnerischen Defizite" ab.


Datum:
17.07.2020
Autor:
Anja Kiewitt
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Rosenheim. Die Pläne der Deutschen Bahn für eine neue Bahntrasse im bayerischen Inntal stoßen in der Region auf scharfen Widerstand. Der Rosenheimer Kreistag lehnte alle fünf Trassenvorschläge der Deutschen Bahn (DB) für den sogenannten Brenner-Nordzulauf "aufgrund der schwerwiegenden raumordnerischen Defizite" ab, wie das Landratsamt am Donnerstag mitteilte. Angesichts der bestehenden Infrastruktur bleibe kein Spielraum für eine verträgliche oberirdische Neubautrasse, heißt es in der mit dem Umwelt- und Kreisausschuss am Mittwoch verabschiedeten Stellungnahme zum Raumordnungsverfahren der Regierung von Oberbayern. Kommunen, Behörden, Organisationen und Bürger können dabei bis zum 24. Juli zu dem Projekt Stellung nehmen. Die Regierung von Oberbayern prüft dann, ob sich aus dem Verfahren triftige Gründe gegen die Vorschläge der Bahn ergeben. Das Ergebnis wird bis Jahresende erwartet. Die Bahn will die favorisierte Trasse dann Anfang 2021 vorstellen.

Ausbau statt Neubau

Neubaugegner kritisieren, dass das Raumordnungsverfahren nicht den Ausbau der bestehenden Strecke einbezieht - das würde nach Ansicht von Bürgerinitiativen völlig ausreichen. Die Bahn müsse den Bedarf für eine Neubaustrecke zweifelsfrei nachweisen, verlangte nun der Rosenheimer Kreistag. Zudem sei es zwingend erforderlich, den Ausbau der Bestandsstrecke zu prüfen - auch wenn das nicht Teil des Raumordnungsverfahrens sei. Die negativen Auswirkungen eines Neubaus auf das enge Inntal wären für Mensch und Natur erheblich, hieß es. Mehr als 100 Schutzgebiete wären massiv betroffen, sagte Landrat Otto Lederer (CSU). Ähnliche Kritikpunkte hatte der Bauausschuss der Stadt Rosenheim aufgeworfen, der am Donnerstagabend über eine eigene Stellungnahme zur Ablehnung der Trassenvorschläge entscheiden wollte. In seinen Beratungen Anfang Juli war der Bauausschuss ebenfalls zu dem Schluss gekommen, dass der Bedarf für den Neubau nicht erwiesen sei. Auch die Wirtschaftlichkeit sei zweifelhaft. Die kreisfreie Stadt Rosenheim und ihr Umfeld würden überproportional stark belastet.

Vorbild Nachbarland Tirol

Für den Neubaufall fordert der Landkreis erhebliche Nachbesserungen sowie einen unterirdischen Streckenverlauf wo immer möglich - wie im Nachbarland Tirol. Dort verliefen etwa 80 Prozent der Zulaufstrecke in Tunneln. Für Streckenabschnitte, bei denen dies nicht möglich sei, müsse der Lärmschutz über das gesetzliche Maß hinausgehen. Für die Bauzeit verlangte der Landkreis von der Bahn ein umwelt,- flächen- und ressourcenschonendes Konzept. Bürgerinitiativen fordern seit langem anstatt eines Neubaus die Modernisierung der bestehenden Gleise und haben Gutachten vorgelegt, die davon ausgehen, dass das sogar die bessere Lösung wäre. Anwohner im ohnehin verkehrsbelasteten Inntal fürchten mit dem Neubau noch mehr Verkehr. Zudem würde die Region Rosenheim vom schnellen Personenfernverkehr abgehängt, weil alle fünf Neubauvarianten eine Umfahrung von Rosenheim vorsehen. Der Brenner-Nordzulauf soll die Kapazitäten zum künftigen Brenner Basistunnel erweitern, der mehr Güter auf die Schiene bringen soll. Die Eröffnung könnte sich inzwischen von 2028 auf 2030 verzögern. (dpa/lby)

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