Binnenschiffer haben immer weniger zu transportieren

15.04.2009 15:36 Uhr
ddp
Transportmengen in der deutschen Binnenschifffahrt gehen rapide zurück
© Foto: ddp

Eine Verbesserung ist nach Aussage des Bundesverbandes Binnenschifffahrt vorerst nicht in Sicht

Duisburg/Düsseldorf. Deutschlands Binnenhäfen werden zum Schiffsparkplatz: Die wirtschaftliche Talfahrt lässt die Transportmengen rapide abnehmen, immer öfter bleiben die Schiffe daher am Kai. „Insbesondere die Umsatzrückgänge in der Stahlindustrie treffen uns mit voller Wucht“, sagte Jens Schwanen, Geschäftsführer des Bundesverbandes Binnenschifffahrt, der Deutschen Presse-Agentur dpa. Im Januar dieses Jahres sei allein die transportierte Menge an Erz und Eisen um fast 40 Prozent zurückgegangen. Die Stahlindustrie wird von der Binnenschifffahrt mit Rohstoffen versorgt, auch die fertigen Produkte werden meist per Schiff transportiert. Weitere Hauptkunden der Schiffe auf Deutschlands Flüssen stammen aus den Branchen Chemie, Automobil und Maschinenbau. Das sind genau die Wirtschaftszweige, in denen die Exportabhängigkeit am höchsten ist – entsprechend sind die Reeder hier auch besonders von der Krise betroffen. „Noch im Dezember hofften viele Unternehmer, glimpflich davon zu kommen“, berichtet Schwanen. „Anfang des Jahres brachen die Aufträge dann mit einem Mal ein.“ Die Reeder mussten im Vergleich zum Januar 2008 Auftragsrückgänge um bis zu 50 Prozent wegstecken. Inzwischen habe die Krise zudem von den Industrierohstoffen auf Konsumgüter und Futtermittel übergegriffen, sagt Schwanen. „Die Überkapazitäten werden jetzt in anderen Transportzweigen angeboten.“ So entwickele sich das Auftragsproblem zum Preisproblem. „Die Reedereien liefern sich um die verbleibenden Aufträge immer heftigere Preiskämpfe“, sagt Schwanen. Ausgenommen von den Preiswettbewerben seien bisher lediglich auf Tankschifffahrt spezialisierte Reeder, die Konkurrenz beschränke sich hier auf wenige Unternehmen. „Die notwendigen Investitionen, um in diesen Bereich einzusteigen, sind relativ hoch“, erläutert Schwanen. Insolvenzgefahren sieht Schwanen in der Branche bisher trotz Krise nicht. „Die Unternehmen haben in den vergangenen Jahren gut verdient, so dass sie Rücklagen bilden konnten.“ Sie seien damit für wirtschaftlich schwere Zeiten gerüstet. Mit einer Erholung rechnet er vorerst nicht. „Es gibt bisher keine positiven Signale aus dem Markt.“ (dpa)

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