Belgische Häfen: „Die Talsohle scheint erreicht zu sein“

26.10.2009 16:38 Uhr
Antwerpen
In Antwerpen wurden in den ersten neun Monaten 117 Millionen Tonnen umgeschlagen
© Foto: Arndt

Hafenchefs von Antwerpen und Gent kommen zu ähnlichen Bewertungen bei den Umschlagzahlen der ersten neun Monate

Antwerpen/Gent. In den belgischen Seehäfen Antwerpen wächst die Zuversicht, dass sich das Tempo der Abwärtsspirale beim Seegüterumschlag verlangsamt hat und dass es erste Anzeichen für Erholung der Weltwirtschaftskonjunktur gibt. „Der Güterumschlag der zurückliegenden Monate hat sich stabilisiert“, konstatiert Eddy Bruyninckx, Generaldirektor des Städtischen Hafenbetrieb Antwerpen (SHA) anlässlich der Vorlage der Umschlagzahlen für den Umschlagzeitraum Januar bis September 2009. Zu einer ähnlichen Einschätzung kommt auch sein Kollege aus dem flämischen Gent, dem drittgrößten Hafen Belgiens, Christophe Peeters: „Es scheint, als wenn die Talsohle beim Umschlag erreicht wurde.“ Über den Hafen Antwerpen, dem zweitgrößten in Europa nach Rotterdam, wurden in den ersten neun Monaten knapp 117 Millionen Tonnen umgeschlagen, ein Rückgang von gut 19,1 Prozent gegenüber dem Vorjahresvergleichszeitraum. Damals gingen gut 144 Millionen Tonnen über die Kaikanten. Praktisch alle Gütersegmente des Scheldehafens verloren in den zurückliegenden Monaten Ladungsmengen. Der Containerbereich, der auch in Antwerpen bis zum Ausbruch der Krise im Herbst 2008 von starken Mengenzuwächsen gekennzeichnet war, liegt mit 65 Millionen Tonnen containerisierten Stückguts um gut 17,4 Prozent unter dem Vorjahresniveau. An Standardcontainern (TEU) wurden bis Ende September 5,4 Millionen TEU umgeschlagen, ein Rückgang von 18,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Indes macht der SHA auf den unterschiedlichen Ebenen Druck, dass die aktuell in Stocken geratene Vertiefung der mehrheitlich auf niederländischen Gebiet verlaufenden Westerschelde ein Ende nimmt. Für SHA-Chef Bruyninckx ist es ein hoffnungsvolles Zeichen, dass die mit belgischen und niederländischen Experten besetzte „Permanente Scheldekommission“ inzwischen zu der Einschätzung gekommen ist, dass aus nautischer Sicht die aktuell größten Containerschiffe der Welt – 14.000 TEU – die Schelde bis nach Antwerpen befahren können. Das hätten entsprechende Versuchsanläufe gezeigt, so der SHA-Chef. Im Massengutbereich büßte Antwerpen gut 16,2 Prozent der Umschlagmenge ein und pendelte sich damit auf 42 Millionen Tonnen ein. Dabei konzentrierte sich der Mengeneinbruch auf Greifer- und Sauggüter. Der Erzumschlag zum Beispiel verlor im aktuellen Berichtszeitraum gut 64,1 Prozent seiner Menge gegenüber dem Vorjahr. Auch bei Düngemitteln fiel das Minus mit 38 Prozent sehr deutlich aus. Hingegen zeigte sich der Flüssiggutumschlag mit gut 29,2 Millionen Tonnen ziemlich stabil. Bei den Mineralölerzeugnissen gab es sogar ein Plus von drei Prozent auf gut 19 Millionen Tonnen. Der Umschlag wertschöpfungsintensiven konventionellen Stückguts – in Antwerpen spielen vor allem Stahlprodukte eine große Rolle – liegt mit 7,9 Millionen Tonnen um knapp 38 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Doch auch Papier und Forstprodukten standen erheblich unter Druck. Wie in allen Häfen mit einem Neufahrzeugumschlag musste auch Antwerpen bei diesem Gut Federn lassen. Bis Ende September wurden knapp 547.000 Fahrzeuge über den Scheldehafen bewegt, ein Rückgang von fast 24,5 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum. Im knapp 60 Km entfernten Gent, der als klassischer Industriehafen gilt, wurden bis Ende September 26,6 Millionen Tonnen umgeschlagen, berichtete Christophe Peeters, Vorsitzender des Hafenbetrieb Gent, jetzt. Das Ergebnis liegt damit um gut 26,4 Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Für ihn es von Bedeutung, dass der Mengenrückgang mit jedem Quartal geringer ausfiel. Das dritte Quartal sei bislang „das beste“ im laufenden Geschäftsjahr. (eha)

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