Berlin. Der Streit zwischen Bahn und Bauindustrie in Deutschland wird schärfer. Die Bauindustrie wolle „die Bahn zerschlagen und schwächen“, hatte Bahnchef Hartmut Mehdorn am 1. September in einem Brief an Bundesverkehrsminister Manfred Stolpe (SPD) geklagt. Dieser Vorwurf sei „ungeheuerlich und unseriös“, sagte Michael Kipper, Geschäftsführer des Hauptverbandes der Deutschen Bauindustrie, am Freitag der dpa. Die Bauindustrie hält der Deutschen Bahn schlechte Zahlungsmoral sowie schlampige Projektplanung und Auftragsvergabe vor. „Wir leide nicht nur unter dem Investitionsstopp der Bahn, sondern auch unter der schleppenden Bezahlung offener Rechnungen“, sagte Kipper. Nachtragsforderungen der Bauunternehmen an die Bahn in Milliardenhöhe seien durch die „heutige Arbeitsweise der Bahn“ entstanden. So führten unreife Bauausschreibungen oft zu kompletten Neuplanungen, wobei die verlangten Leistungssteigerungen in der Kalkulation nicht enthalten seien. Viele Firmen gerieten in Insolvenz, kapitalstarke größere Gesellschaften suchten unter Inkaufnahme von Verlusten Kompromisse oder klagten gegen die Bahn. Solche Firmen kämen auf eine schwarze Liste und würden „nicht mehr eingeladen“, sagte der Bauverbandsmanager. In dem Brief an Stolpe hatte Mehdorn die Vergabesperre als wirksames Mittel zur Korruptionsbekämpfung gerechtfertigt. Mit ihrem Verhalten dokumentierten die Verbände, dass es ihnen „mehr um den Schutz ihrer Mitgliedesunternehmen als um wirklich erfogreiche Korruptionsbekämpfung“ gehe. (dpa)
Bauindustrie wehrt sich gegen „Betrugsverdächtigungen“ Mehdorns
Bauwirtschaft klagt über schlechte Zahlungsmoral sowie schlampige Projektplanung und Auftragsvergabe der Bahn – Firmen, die gegen die Bahn klagten bekämen keine Aufträge mehr