Autoindustrie warnt vor Verkehrschaos - Lkw-Maut nur für Autobahnen

27.07.2001 10:46 Uhr

Frankfurt/Main - Die Automobilindustrie fürchtet spätestens mit der EU-Osterweiterung ein Verkehrschaos auf deutschen Autobahnen. Der Verband der Automobilindustrie (VDA) fordert deshalb von der Bundesregierung einen massiven Ausbau der Fernstraßen. Das zusätzliche Verkehrsaufkommen zwischen Ost- und Westeuropa könne nicht von der Bahn übernommen werden, mahnte VDA-Präsident Bernd Gottschalk. «Die Politik droht wieder von der schnellen Entwicklung überrollt zu werden», sagte er in einem Gespräch der Deutschen Presse-Agentur (dpa). Die von der Bundesregierung geplante Autobahn-Maut für schwere Lkw müsse deshalb vollständig für den Fernstraßenbau eingesetzt werden. «Die Lkw-Maut darf nicht zu einer dritten Sondersteuer im Verkehr werden, um damit Haushaltslöcher zu stopfen.» Nur unter dieser Voraussetzung sei die Industrie bereit, für Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur einen zusätzlichen Beitrag zu leisten, betonte Gottschalk, der auch Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) ist. «Uns geht es nicht um ein Zubetonieren der Bundesrepublik oder gar um eine Abwehrstrategie gegen die Bahn.» Schon der durchgängige Bau einer dritten Spur auf allen Autobahnen könne - verbunden mit elektronischen Leitsystemen - einen wichtigen Beitrag zur Verbesserung der Verkehrsströme leisten. Dies sei zudem ein wichtiger Konjunkturimpuls für die Bauwirtschaft. Angesichts des zu erwartenden Transportaufkommens gebe es auch genügend Potenzial für die Bahn und das Speditionsgewerbe. «Deshalb sehen wir in der Schiene auch keine Konkurrenz», betonte Gottschalk. Für die eigene Branche sieht der VDA in der Erweiterung der EU um einige osteuropäische Länder nur Vorteile. In diesen «Märkten vor der Haustür» verfüge die deutsche Autoindustrie über ein erstklassiges Qualitätsimage. Auch seien die deutschen Hersteller mit eigenen Fabriken schon präsent. «Bereits jetzt werden die positiven Vorboten der wirtschaftlichen Vernetzung sichtbar.» Allein im 1. Halbjahr habe der Export von gebrauchten Nutzfahrzeugen in diese Region um 100 Prozent zugenommen. Aber auch für das Neugeschäft biete Osteuropa gute Perspektiven. Zusätzliche Kundschaft können die Hersteller von schweren Lkw dringend gebrauchen. Angesichts der allgemeinen Konjunkturflaute ist der Auftragseingang im ersten Halbjahr um 14 Prozent zurückgegangen. Im Gegensatz zum weiter florierenden Pkw-Export ist der Einbruch bei schweren Nutzfahrzeugen im Ausland noch schärfer als im Inland. In der Branche wird deshalb mit erheblichen Preisnachlässen gekämpft. «Die Härte des Wettbewerbs hat manches Maß an Vernunft schon überschritten», beschreibt Gottschalk die aktuelle Lage. (dpa)

MEISTGELESEN


STELLENANGEBOTE


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!


NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.