Das Bundesverkehrsministerium hat umgehend Pressemeldungen dementiert, dass Ressortchef Kurt Bodewig (SPD) im Gegenzug für die Rettung des ostdeutschen Waggonbauwerkes Halle-Ammendorf entlassen werden soll. Die Meldung habe im Ministerium "große Erheiterung hervorgerufen" und "entbehrt jeder Grundlage", sagte Ministeriumssprecher Felix Stenschke. Die Wirtschaftwoche hatte berichtet, Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) habe Bahnchef Hartmut Mehdorn das "Ministeropfer" als Gegenleistung für umfangreiche Aufträge an das angeschlagene Werk des kanadischen Bombardier-Konzerns zugesagt. Dem Magazin zufolge sollte der Rausschmiss spätestens nach der Bundestagswahl erfolgen. Dabei beruft sich die Wirtschaftswoche auf "hohe Regierungsvertreter" und einen "Mehdorn-Vertrauten". Mehdorn war mit Bodewig aneinandergeraten, weil der Minister Schienennetz und Bahnbetrieb trennen wollte, um damit für mehr Wettbewerb zu sorgen. Der DB-Vorstandschef widersprach dem IG-Metall-Chef von Berlin-Brandenburg, Hasso Düwel, der erklärt hatte: "Der Kanzler hat die Bahn geprügelt". Mehdorn sagte zu vorgezogenen Aufträgen an Bombardier: "Zum einen liefern sie schlechte Qualität, und außerdem hat Bombardier von uns genug Aufträge". Nach Ansicht des CDU/CSU-Verkehrsexperten Dirk Fischer erfolgt jetzt die "Totaldemontage des zwar stets fröhlichen, aber kontinuierlich durchsetzungsschwachen Verkehrsministers". Mehdorn unterlaufe als Bahnchef den Primat der Politik. (vr/jök)
Aufregung über das "Ministeropfer" Bodewig
CDU/CSU sieht Totaldemontage durch Forderung von Bahnchef Mehdorn