Bremerhaven. Die Nordost- und Nordwestpassage in der Arktis sind erstmals beide zugleich eisfrei und für Schiffe befahrbar. Das geht aus aktuellen Satellitenfotos hervor, wie Professor Rüdiger Gerdes vom Alfred-Wegener-Institut für Polar- und Meeresforschung (AWI) am Freitag in Bremerhaven sagte. Der Forschungseisbrecher „Polarstern“ habe bereits vergangene Woche die Nordwestpassage durchfahren und steuere derzeit auf die Nordostpassage zu. „Dies könnten jetzt sogar normale Schiffe, die nicht verstärkt sind“, sagte Gerdes. Nach seiner Kenntnis nutzen Reedereien die neuen Seewege aber noch nicht für Handelsschiffe: Es fehle derzeit an langfristigen und regelmäßigen Vorhersagemodellen für die Region. Gerdes rechnet noch nicht damit, dass sich der jetzige Zustand in den kommenden Jahren fortsetzen wird. „Wir haben zwei außergewöhnliche Jahre in der Arktis gehabt. Es gibt aber bisher keine Anzeichen, dass sich diese Entwicklung fortsetzt.“ Langfristig erwarteten Wissenschaftler allerdings einen beständigen Rückgang der Meereisflächen rund um den Nordpol – und damit auch weiterhin eisfreie Nordwest- und Nordwestpassagen. Das Arktis-Eis ist in diesem Sommer rekordverdächtig geschmolzen. Gerdes zufolge ist nicht mehr auszuschließen, dass die niedrigste je beobachtete Eisausdehnung aus dem Jahr 2007 noch unterboten wird. Das Minimum trete erst Mitte bis Ende September ein, und die Eismasse nehme nach wie vor sehr schnell ab. 2005 waren im Nordpolarmeer noch 5,7 Millionen Quadratkilometer mit Eis bedeckt, 2007 waren es 4,28 Millionen. In den 90er Jahren lag der Wert fast doppelt so hoch. (sv/dpa)
Arktis erstmals eisfrei
Die Nordost- und Nordwestpassage in der Arktis sind erstmals beide zugleich eisfrei und für Schiffe befahrbar - Handelsschifffahrt zögert noch