Arcandor vor Schicksalstag

31.08.2009 08:58 Uhr
Arcandor-Fassade
Die Warenhaus- und Versandhandelstöchter von Arcandor sollen saniert werden

Am Dienstag soll die Insolvenz über Handels- und Touristikunternehmen eröffnet werden/ Spekulationen um Abgang von Arcandor-Chef Karl-Gerhard Eick

Essen. Schicksalstag für Arcandor: Wenn das Essener Amtsgericht voraussichtlich am 1. September die Insolvenzverfahren für das Handels- und Touristikunternehmen und zahlreiche Tochtergesellschaften eröffnet, steht nicht nur die Zukunft von rund 38.000 Beschäftigten auf dem Prüfstand. Nach nur einem halben Jahr an der Spitze des Unternehmens stehen auch die Aufgaben von Konzernchef Karl-Gerhard Eick selbst zur Disposition. Über einen Abgang des ehemaligen Telekom-Managers wird bereits heftig spekuliert. Nachdem das Unternehmen die Suche nach einem Gesamtinvestor offiziell eingestellt hat, hat die Holdinggesellschaft mit dem Kunstnamen Arcandor (vorher KarstadtQuelle) mit ihren Chef Eick praktisch keine Funktion mehr. Nun steht das Fahnden nach Einzellösungen für die Warenhaustochter Karstadt und des Versandhändlers Primondo auf der Tagesordnung. In den kommenden Wochen sollen die 94 Mitarbeiter der Zentrale darüber informiert werden, ob sie für die weitere Abwicklung des Insolvenzverfahrens noch benötigt werden. Zumindest Eick hat sich vor seinem Amtsantritt gut abgesichert: Unabhängig davon, ob er seinen Fünf-Jahres-Vertrag erfüllt oder nicht, sollen ihm die Gesellschafter der Bank Sal. Oppenheim die Summe von 10 bis 15 Millionen Euro garantiert haben. Sorgen um den eventuellen Ausfall von Zahlungen aus der Insolvenzmasse muss er sich nicht machen. Auf die leichte Schulter dürfte Eick seinen Abschied dennoch nicht nehmen. „Er hat sich seine Zeit bei Arcandor doch etwas anders vorgestellt“, sagte ein Insider. Zwar hat Eick die Misere des Konzerns nicht verschuldet, doch mit seinen Versuchen den Konzern als Ganzes zu retten, ist er auf ganzer Linie gescheitert. Weder Staatshilfe noch einen Notkredit bekam er durch. Auch die Eigentümer wollten oder konnten nicht weiter Geld nachschießen und die verzweifelte Suche nach einem Investor lief ins Leere. Jurist Klaus Hubert soll Arcandor-Insolvenz verwalten Die Fäden laufen nach der offiziellen Eröffnung des Verfahrens künftig in der Hand des Insolvenzverwalters zusammen. Zum vorläufigen Verwalter für 40 der 51 betroffenen Arcandor-Gesellschaften hatte das Gericht den Juristen Klaus Hubert Görg bestellt. Neben der Holding Arcandor AG betrifft dies auch die wichtigsten Töchter Karstadt Warenhaus AG und die Dachgesellschaft für den Versandhandel, die Primondo AG mit ihrem Kernstück Quelle. Das Amtsgericht Fürth hatte zuvor bereits die Insolvenzverfahren für drei Quelle-Tochterunternehmen eröffnet. Den bisherigen Plänen nach sollen die Warenhaus- und Versandhandelstöchter saniert werden. Allein bei Primondo würden dabei rund 3700 der 10.500 Stellen gestrichen. Im Kaufhausgeschäft kommt der Fortbestand von 19 der insgesamt 126 Waren- und Sporthäuser auf den Prüfstand, das könnte im schlimmsten Fall noch einmal mehrere Tausend Arbeitsplätze kosten. Für beide Töchter werden Partner gesucht. Anfang November sollen die Pläne dann den Gläubigerversammlungen vorgelegt werden. Die verpfändeten Anteile an der Tourismustochter Thomas Cook, die selbst keinen Insolvenzantrag gestellt hat, werden voraussichtlich von den Banken verkauft.

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