Paris. Die franko-niederländische Fluglinie wird sich an der Rettung von Alitalia nur dann finanziell beteiligen, wenn wesentliche Bedingungen erfüllt sind. Eine Liste mit entsprechenden Forderungen hat der Vorstand von AF-KLM jetzt dem italienischen Transportminister Maurizio Lupi und dem Airline-Management in Rom vorgelegt.
Als wichtigste Maßnahme zur finanziellen Gesundung der von Pleite bedrohten Alitalia, an der AF-KLM einen Kapitalanteil von 25 Prozent hält, verlangt die Gesellschaft die Streichung von 5000 Stellen beim italienischen Flieger.
Entlassung des gesamten Verwaltungsrates
Zudem fordert AF-KLM laut örtlichen Medien die Entlassung des gesamten Verwaltungsrats von Alitalia sowie eine groß angelegte Umschuldung. Dadurch solle der derzeitige Schuldenstand von 1,35 Milliarden US-Dollar um 70 bis möglichst 80 Prozent abgesenkt werden. Aufgrund der geringen Sanierungsanstrengungen durch das jetzige Management, vieler verlustreicher Strecken, zu hoher Kosten und ständiger Arbeitskämpfe von Teilen des gewerkschaftlich organisierten Personals verliert Alitalia aktuell 1,6 Millionen Euro im Schnitt pro Tag. Speziell die verlangten Massenentlassungen dürften sich zum Knackpunkt zwischen der Belegschaft der römischen Airline und AF-KLM erweisen. Sie übertreffen mehr als das Doppelte der von Alitalias Vorstandschef Gabriele del Torchio bislang angekündigten Jobstreichungen.
AF-KLM hat Kapitalerhöhung zugestimmt
Zuvor hatte AF-KLM der vor wenigen Tagen beschlossenen Kapitalerhöhung Alitalias um 408 Millionen US-Dollar zugestimmt, um die unmittelbar bevorstehende Insolvenz der Fluglinie abzuwenden. Doch der Minderheitseigner ist nicht verpflichtet, den Beschluss in die Praxis umzusetzen und sich an der Aufstockung der Finanzen auch tatsächlich zu beteiligen. Dieser Schritt werde nur dann erfolgen, wenn die notwendigen Maßnahmen für die grundlegende Sanierung von Alitalia umgesetzt werden, ließ die AF-KLM-Holding in Paris verlauten. Erst vor wenigen Tagen hatte die staatliche italienische Post einen hohen Betrag, die Rede ist von 75 Millionen Euro, im Rahmen der Kapitalerhöhung für Alitalia zugesagt. Zudem will der Staat Kreditgarantien in gleicher Höhe beisteuern.
Ursprünglich war die Fluglinie bereits 2008 pleite. Doch auf Druck des damaligen Regierungschefs Berlusconi wurde eine Gruppe italienischer Privatinvestoren zusammengetrommelt, die das Fortleben der Airline, wenngleich in abgespeckter Form, durch Kapitalzuschüsse garantierten. Im Zuge dieser Eigentumsneuordnung übernahm AF-KLM seinerzeit 25 Prozent der Anteile. Zudem gliederte sie das internationale Frachtgeschäft aus Alitalia aus, das seitdem vom französisch-niederländischen Duo in Eigenregie betrieben wird. Sollte Alitalia jetzt erneut in die Insolvenz rutschen, könnte sich AF-KLM die Konkursmasse zu günstigen Konditionen einverleiben. Marktbeobachter gehen davon aus, dass dies das eigentliche Ziel von Air France-KLM ist. (hs)