Vermieter haben KEP-Branche im Blick

05.11.2013 12:15 Uhr
Andre Girnus
André Girnus, Sprecher der Geschäftsführung Mercedes-Benz Charterway
©Foto: Daimler

Mit welcher neuen Mietlösung Mercedes-Benz Charterway in der Kurier-, Express- und Paketbranche (KEP) punkten will, sagt André Girnus, Sprecher der Geschäftsführung des Unternehmens.

Mercedes-Benz Charterway bietet jetzt im Verteilerverkehr auch den neuen Atego und den Sprinter als Mietlösung. Warum sollte ein KEP-Dienstleister gerade bei Ihrem Unternehmen seine Fahrzeuge mieten?
Die Stärken von Charterway liegen in der langjährigen Erfahrung als Nutzfahrzeugdienstleister, einem breitem Portfolio an Serviceleistungen sowie einer über 7000 Einheiten großen Mietflotte mit einer Vielzahl an Fahrzeuglösungen. Damit können wir unseren Kunden eine individuelle Beratung und maßgeschneiderte Lösungen anbieten. Charterway verfügt über 70 Mietstützpunkte sowie ein extrem dichtes Werkstatt-Netz. Der flächendeckende Service steht auch für geringe Ausfallzeiten. Ein Aspekt, der gerade für die KEP-Unternehmen sehr wichtig ist, da der Faktor Zeit in diesem Geschäft eine große Rolle spielt.

Andererseits haben sich im Verteilersegment bereits namhafte Leicht-LKW-Vermieter etabliert wie Avis, Europcar und Hertz. Wie wollen Sie gegenüber diesen punkten?
Unser Angebot umfasst weit mehr als nur die herkömmliche Miete. Mit dem Transportunternehmermodell beispielsweise bieten wir Transportunternehmen, die im Auftrag von Logistikern fahren, die Möglichkeit schnell und unkompliziert an ein Fahrzeug im Firmendesign ihres Auftraggebers zu bekommen.

Was macht diese Lösung gerade für KEP-Unternehmer aus Ihrer Sicht so attraktiv?
Im Zusammenspiel mit uns kann zum Beispiel ein Paketdienst genau konfigurieren, welche Features die Fahrzeuge umfassen, die seine Systempartner einsetzen sollen. Wir liefern die Fahrzeuge sogar in dessen Hausfarben aus. Vorteil für den Paketdienst: er legt fest, wie seine Fahrzeugflotte auszusehen hat. Vorteile für seine Systempartner: attraktive Konditionen, kürzere Kündigungsfrist und spezielle Mietraten, standardisierte Fahrzeuge, die mit ihrem Auftraggeber abgestimmt sind. Dachser setzt dieses Modell schon seit Jahren ein und neuerdings auch die Deutsche Post DHL.

Gleichwohl ist Miete von Fahrzeugen erfahrungsgemäß die teuerste Beschaffungs-Variante.
Bei dem Vergleich von Kauf versus Miete/Leasing werden oft Äpfel mit Birnen verglichen. Viele Kosten, wie etwa Versicherungs- und Zulassungskosten oder auch in der Mietrate inkludierte Zusatzservices wie Pannen- und Reifenservice werden in diesem Vergleich in der Regel nicht berücksichtigt. Nicht zu vergessen: Die Miete ist die flexibelste Form der Fahrzeugbeschaffung und das zu absolut planbaren und transparenten Kosten.

Um mal konkrete Zahlen zu haben: Wie viel Euro kostet ein Tag Miete bei Atego und Sprinter bei Mercedes-Benz Charterway?
Wir bieten die Fahrzeuge bereits ab 24 Stunden, aber auch wochen- und monatelang an, wobei sich die Dauer der Laufzeit selbstverständlich auch direkt auf den Mietpreis auswirkt, der mit längerer Laufzeit auch günstiger wird. In der Tagesmiete kostet der neue Sprinter 85 Euro und der neue Atego 150 Euro.

Nochmals zu Ihrem neuen Mietangebot: Über welche Motorleistung werden der von Ihnen angebotene Atego und der Sprinter verfügen? Und in welcher Abgasstufe sind diese lieferbar – Euro 5 oder Euro 6?
In der Übergangsphase bieten wir beides: den bewährten Atego mit Euro-5-Motor und den neuen Atego mit Euro-6-Motor. Den neuen Sprinter bieten wir sowohl in der Euro 5- als auch in der Euro 6-Variante an. Ein großes Kontingent unserer Fahrzeuge umfasst den Sprinter (316 und 319) mit jeweils 130 PS (96 kW ) bis 160 PS (118 kW) Motorleistung. Und den Atego bieten wir als 816 und 818 in der 7,5-/8-Tonnen-Variante an sowie als 1223, 1224 und 1230 in der 12-Tonnen-Variante. Die Motorleistung reicht hier jeweils von 180 PS (132 kW) bis 300 PS (220 kW).

Und welche Auf- und Ausbauten kann ein KEP-Dienst bei Ihnen mieten? Mit welchen Auf- und Ausbaupartnern arbeiten sie da zusammen?
Wir versuchen, mit unserem Angebot den bestehenden Markt bestmöglich widerzuspiegeln, das heißt wir bieten hier vom Standard- bis zum Spezialaufbau nahezu alle Lösungen. Dafür arbeiten wir mit allen namhaften KEP-Aufbauherstellern zusammen wie Spier, Junge und Kießling – um nur ein paar Beispiele zu nennen.

Eines der ganz großen Probleme in der KEP-Branche ist schlussendlich die relativ hohe Schadenshäufigkeit. Welche Schäden erwarten Sie in diesem Gewerbe hauptsächlich? Und wie werden Sie das einpreisen, um nicht auf den Schadenskosten sitzen zu bleiben?
Wir unterscheiden nach so genannten Gebrauchs- und Gewaltschäden. Gebrauchsspuren, beispielsweise leichte Schrammen und Kratzspuren am Stoßfänger, entstehen durch den bestimmungsgemäßen Gebrauch des Fahrzeugs und sind daher akzeptabel und werden dem Kunden nicht in Rechnung gestellt. Gewaltschäden dagegen, wie beispielsweise starke Deformationen, Verformungen und Materialbrüche an Kotflügel, sind vermeidbar und auf den nachlässigen Gebrauch des Fahrzeugs zurückzuführen. Für unsere Mietkunden heißt das: sie tragen die Kosten für Gewaltschäden bis zu maximal 1000 Euro, während wir ihnen herkömmliche Gebrauchsschäden nicht berechnen. Diese Gebrauchsschäden sind in der Mietrate eingepreist. Um Schäden vorzubeugen, erhält der Kunde zu Beginn der Miete eine Einweisung in das Fahrzeug und wird darüber informiert, wie man Schäden vermeiden kann. Zusätzlich erhält der Kunde die Broschüre „Faire Rückgabe“, in welcher die häufigsten Gebrauchs- beziehungsweise Gewaltschäden bildlich dargestellt sind. (eh)

 

Das Interview führte VR-Redakteurin Eva Hassa

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