Berlin. „Lastenräder müssen den Weg aus der Nische finden. Wir müssen die Entscheider im Gewerbe antreiben“, das sagte Gabriele Kuczmiercyk, Referentin für Umwelt und Verkehr im Bundesumweltministerium (BMU) beim Abschluss der vom BMU unterstützten Kampagne des ökologischen Verkehrsverbandes VCD „Lasten auf die Räder“ in Berlin.
Es brauche dringend auch kurzfristige Lösungen, um die Ballungsräume vor dem Kollaps zu bewahren. Dafür könnten Lastenräder einen wichtigen Beitrag leisten. Die Bundesregierung verfolge das Ziel der nachhaltigen Stadtentwicklung quer durch alle Ressorts und unterstütze die Anschaffung von Lastenrädern etwa im Rahmen der Initiative zur Elektromobilität, aber auch über KfW-Kredite oder im Rahmen des nationalen Radverkehrsplans.
Die Frage sei, wie man Kommunen dazu motivieren kann, stärker auf alternative Beförderungsmittel zu setzen. Denn bisher spiegle sich die erfolgreiche mediale Resonanz der Kampagne, die ihren Höhepunkt im Auftritt auf der IAA Nutzfahrzeuge fand, noch nicht im Straßenbild wieder, so Kuczmiercyk.
Viel Überzeugungsarbeit ist gefragt
„Ein Tropfen auf den heißen Stein“ sei der bisherige Absatz von Transporträdern, analysierte auch Christian Rudolph vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt. Lastenräder seien noch nicht einmal in der Statistik separat erfasst. Man müsse die Unternehmen von der Wirtschaftlichkeit überzeugen, befand der Verkehrsforscher. Es werde aber in der Umsetzung nicht leicht sein, wenn etwa ein LKW-Fahrer auf einmal ein Lastenrad steuern solle. Das Potenzial sei jedoch gewaltig.
Für die Kommunen unterstrich Julius Menge vom Berliner Senat die Absicht der deutschen Hauptstadt, bis 2050 klimaneutral zu werden. Dabei könnten Lastenräder, insbesondere mit elektrischer Unterstützung, ein wichtiges Puzzlestück sein. Man müsse aber realistischerweise sagen, dass sich nicht alle Güter plötzlich mit dem Fahrrad transportieren ließen. Baustoffe etwa werde man niemals per Rad befördern. Menge riet, die teils emotional geführte Debatte um Zufahrtsbeschränkungen oder gar Sperrungen von Innenstädten sachlicher zu führen. „Irgendwie muss Transport stattfinden“, betonte Menge. Nur müsse man sehen, wie man das nachhaltiger hinbekomme. Denkbarrieren abzubauen, dazu riet Andrea Reidl, Journalistin und Bloggerin auf Zeit online. „Die meisten Leute ziehen einfach noch gar nicht in Betracht, dass sich viele Güter auch per Lastenrad befördern ließen“, stellte sie fest. Daran anknüpfend forderte Jorrit Kreek vom Lastenradhersteller Urban Arrow, dass man auch die Fahrradhändler mit ins Boot holen müsse. Claudia Maiwald, Bundesgeschäftsführerin des VCD kündigte an, dass man Mittel aus dem Nationalen Radverkehrsplan beantragen werde, um die Kampagne fortzusetzen. (jr)