Auf der IAA Transportation 2026, die vom 15. bis 20. September 2026 auf dem Messegelände Hannover ihre Tore öffnet, können Transportunternehmer und Fuhrparkverantwortliche nicht nur die neuesten Lkw- und Trailergenerationen unter die Lupe nehmen, sondern sich jede Menge Inspiration für die Digitalisierung ihres Flottenmanagements holen.
KI macht Daten besser nutzbar
Neben den OEMs schlagen auch viele Drittanbieter-Telematiker sowie Software-Anbieter ihre Zelte in Hannover auf, um ihre neuesten Tools rund um Telematik, TMS und Flottenmanagement vorzustellen. Und diese sind – das überrascht in Zeiten des allgegenwärtigen KI-Booms wenig – datengetriebener denn je.
„Bei Transport- und Logistikunternehmen laufen jeden Tag große Datenmengen zusammen. Entscheidend ist aber nicht der bloße Besitz, sondern die Verwendung der Informationen“, sagt etwa Carsten Holtrup, Country Manager bei T Comm Telematics. Der auf drahtlose Sensorik spezialisierte Trailer-Telematikanbieter stellt in Halle 25 (Stand E53) seine neue „T Comm Platform“ mit integriertem KI-System vor, das die Suche nach Informationen und die Erstellung von Berichten erleichtert und diese übersichtlich visualisiert. Um künftigen Entwicklungen Rechnung tragen zu können, wurde die Benutzerplattform zudem offen gestaltet. So ist die Anbindung von neuen Lösungen zu einem späteren Zeitpunkt jederzeit möglich.
Benchmarking für die Flotte
Webfleet (Halle 12, B63) zeigt auf der IAA mit Fleet Insights seine neue, integrierte Analyseplattform. Die Lösung vereint Leistungskennzahlen und Performance-Trends auf einem Dashboard – und liefert zudem Hinweise, wie effizient die eigene Flotte im Branchenvergleich unterwegs ist. Dazu wird die Leistung mit ähnlichen Betrieben auf Basis anonymisierter Webfleet-Daten verglichen. Zum Marktstart kann das Dashboard bis zu acht zentrale Leistungskennzahlen darstellen.
Fleet Insights baut auf dem KI-gestützten „Fleet Advisor“ auf, den Webfleet 2025 eingeführt hat. Mit Fleet Advisor können Nutzer Fragen zu ihren Flottendaten stellen. Von jeder Erkenntnis innerhalb des Fleet-Insights-Dashboards gelangen Anwender direkt zum Fleet Advisor, um Fahrzeug-, Fahrer- und Betriebsdaten noch detaillierter zu analysieren. Für Ende Oktober ist die Einführung KI-gestützter Empfehlungen innerhalb des Fleet Advisors geplant.
Besucher des Webfleet-Standes können zudem einen ersten Blick auf eine neue Trackinglösung werfen. „Asset Management 360“ soll in den kommenden Monaten offiziell auf den Markt kommen – darüber können motorisierte und nicht motorisierte Assets über eine zentrale Plattform verwaltet werden. Bestandteil der Lösung: das batteriebetriebene Ortungsgerät LINK 330 für nicht motorisierte Assets wie Container, Baumaschinen oder kleinere Anhänger.
IAA Transportation: Neuheiten Telematik & TMS
Datenqualität als Voraussetzung
Platform Science (Halle 25, Stand B46) wird in Hannover seine konfigurierbare Flottenmanagement-Software sowie seine vier Kernproduktgruppen vorstellen: Driver-Workflows, Performance & Safety, Telematik sowie Workforce Compliance. Neben der Lösungsplattform hebt der Showcase eine nach Ansicht von Platform Science entscheidende wirtschaftliche Anforderung für Transportunternehmen hervor: Während KI zwar der Motor der Logistik der Zukunft sein mag, bleiben vertrauenswürdige Daten die unverzichtbare Grundlage, um tatsächliche Ergebnisse zu erzielen. "Auf der IAA Transportation zeigen wir, dass die Zukunft eines wettbewerbsfähigen Flottenbetreiber in ganz Europa vollständig auf einer hochpräzisen Datenarchitektur beruht – und nicht nur auf dem physischen Lkw oder der Hardware“, sagt Lutz Siegert, Sales Director für die DACH- und CEE-Regionen bei Platform Science.
Telematik für Transporterflotten
Spedion (Halle 25, Stand C60) nimmt passend zur seit 1. Juli geltenden Smart-Tachopflicht für Nutzfahrzeuge von 2,5 bis 3,5 Tonnen Transporterflotten ins Visier. Mit der Spedion TinyFour RDL bietet der Telematikanbieter eine einfach installierbare Hardwarelösung für den Remote Download. So haben Fuhrparkunternehmen die Lenk- und Ruhezeiten des Personals auch in leichten Nutzfahrzeugen im Blick. Mit der Spedion-Dashcam steht Kunden darüber hinaus eine Video-Telematiklösung zur Verfügung. Mithilfe künstlicher Intelligenz (KI), Fahrerassistenzsystemen sowie GPS- und Beschleunigungssensoren erkennt die Dashcam mögliche Gefährdungen im Straßenverkehr und warnt den Fahrer umgehend.
Ebenfalls am Spedion-Stand zu finden sind übrigens die Softwarelösungen für die Bereiche Lohn, Spesen und betriebswirtschaftliche Auswertungen der Firma Modulon. Als neue Anwendung zeigt Modulon den Resource Manager, der Fahrzeug- und Personaldaten in einem System zusammenführt und sie miteinander abgleicht. So hat die Verwaltung alle tatsächlich verfügbaren Fahrer und Fahrzeuge täglich sofort im Blick. Ebenfalls im Messefokus: das Neuprodukt Route Analyzer für ein datengetriebenes Controlling: Auf Basis im Fahrzeug erzeugter Daten zeigt die Anwendung auf, welche Aufträge im Unternehmen profitabel sind und wo sich Transporte optimieren lassen.
Kühlketten in Echtzeit überwachen
Trendfire zeigt in Hannover am Stand C45 in Halle 25 seine Lösungen für das lückenlose Überwachen von Transporten und Kühlketten. Dafür präsentieren die Schwaben neue Schnittstellen zu Kühlaggregaten, Ladebordwänden, Durchladeklappen und weiteren Komponenten. Die neu geschaffenen Schnittstellen kommen unter anderem in der Lebensmittelbranche in Glieder- und Durchladezügen zum Einsatz. Bei der Integration von Ladebordwänden werden Daten dabei direkt von den Steuergeräten der Komponenten abgerufen und dann im neuen Temperatur-Dashboard aufbereitet. Es informiert über den aktuellen Standort, die Laderaum-Temperatur sowie den Status von Türen, Ladeklappen, Zündung und Kühlaggregaten.
TMS-Systeme rüsten auf
Die Fahrzeugdaten liefert die Telematik – weiterverarbeitet und zu Dispositionszwecken herangezogen werden sie im Transport Management System (TMS). Daher zeigen auch die auf der IAA ausstellenden TMS-Anbieter, was ihre Softwarelösungen für Spediteure mittlerweile draufhaben. Auch hier ist immer öfter KI im Spiel.
Die neue, KI-gestützte Assistenzlösung im TMS WinSped von LIS wurde LISA getauft, das steht für LIS Smart Assistant. „Anwenderinnen und Anwender kommunizieren künftig einfach per Chat oder auch per Sprache mit LISA“, sagt Rolf Hansmann, Co-CEO bei LIS. Vor allem aber erkennt der Assistent Muster in bestehenden Abläufen und historischen Daten, erstellt daraus Tourenvorschläge, bündelt Transportaufträge und übernimmt vorbereitende Dispositionsaufgaben. Die Kontrolle bleibt dabei stets beim Menschen: Vorgeschlagene Aktionen werden erst nach Bestätigung der Disponentin oder des Disponenten ausgeführt.
Auch bei der Zuordnung von Dokumenten zu bestehenden Aufträgen setzt LIS künftig auf KI: Mit der neuen KI-Dropzone im Dokumentenmanagementsystem von WinSped genügt es, einen Lademittelschein, Proof-of-Delivery-Beleg, Lieferschein oder ein anderes Dokument per Drag & Drop abzulegen. Die KI – angebunden über die OpenAI-API – erkennt die Dokumentart, liest die relevanten Informationen aus und ordnet das Dokument automatisch dem passenden Auftrag zu.
KI-Agenten übernehmen mehr Aufgaben
Auch Soloplan (Halle 25, Stand C51) hat sein TMS Carlo in der Version 3.07 um eine KI-gestützte Assistenz erweitert. Mit dem „Carlo Assistant“ erhalten Disponenten einen KI-Assistenten, der nicht nur Fragen beantwortet, sondern auch operativ handeln kann. So kann die KI Dialoge öffnen, Datensätze anzeigen oder auf Basis von Webseiten, E-Mails, PDFs oder Textdokumenten neue Geschäftsobjekte im TMS anlegen. Carlo Assistant kann laut Soloplan auch Dateien importieren, Inhalte automatisiert in strukturierte Carlo-Daten überführen und Daten für die weitere Verarbeitung exportieren. Neben den KI-Neuerungen hat Soloplan zudem eine neue Fahrer- und Fahrzeugplanung integriert, mit der Unternehmen ihre Einsatz-, Schicht- und Ressourcenplanung direkt im TMS abbilden können.
Dr. Malek Software (Halle 25, Stand B52) zeigt derweil neue Module und Funktionen der Logistiksoftware M3 Logisticware. Der Messefokus liegt insbesondere auf „M3 App sync“ für das Bearbeiten desselben Auftrags auf mehreren mobilen Geräten und dem Modul „M3 Auto-Routing“. Letzteres richtet sich speziell an Stückgut-Spediteure, die Partner mehrerer Netzwerke sind: M3 Auto-Routing ermöglicht laut Entwickler das automatische Zuordnen von Sendungen an den jeweils am besten passenden Kooperationspartner und generiert das passende Sendungs-Etikett.
KI-Verhandlungsassistent unterstützt im Spotmarkt
Auch im Spotmarkt soll künftig KI dabei helfen, bessere Entscheidungen zu treffen. So hat Timecom (Halle 25, Stand B40) seine Frachtenbörse im einen neuen AI Verhandlungsassistenten erweitert. Dieser übernimmt – wenn gewünscht – die Kommunikation bei Anfragen, gibt Antworten auf wiederkehrende Fragen, sammelt relevante Informationen, strukturiert Gespräche und bereitet entscheidungsreife Optionen für Disponenten vor. „Der Disponent führt künftig nicht mehr jede einzelne Unterhaltung selbst, sondern steigt erst in die Chats ein, wenn eine relevante Entscheidung ansteht“, erklärt Product Manager Ramon Rüscher. Timocom versteht die neue Lösung nach eigener Aussage ausdrücklich als operative Unterstützung im Arbeitsalltag von Disponenten, nicht als Ersatz menschlicher Expertise.
Neben dem AI Verhandlungsassistenten will Timocom auf der IAA Transportation eine Erweiterung seiner bestehenden Ausschreibungsoptionen vorstellen. Mit der so genannten Transportmatrix lassen sich demnach zahlreiche Transportrelationen gesammelt per Excel als Ausschreibung veröffentlichen, ohne jede Relation einzeln anzulegen. Das soll insbesondere die Erstellung umfangreicher Transportausschreibungen erleichtern.