Bundesverkehrsminister Steffen Bilger (CDU) will den Einsatz von Biokraftstoffen in Deutschland und Europa ausweiten. Gemeinsam mit seinem französischen Amtskollegen setzt er sich dafür ein, den zulässigen Bioethanol-Anteil im Benzin zu erhöhen. Als mögliche neue Kraftstoffsorte bringt Bilger E20 ins Spiel.
E20 enthält bis zu 20 Prozent Bioethanol und würde damit den maximalen Anteil gegenüber dem heute verbreiteten E10 verdoppeln. Die Initiative steht im Zusammenhang mit den deutsch-französischen Plänen, die europäischen Vorgaben für Verbrennungsmotoren nach 2035 zu lockern.
E20 wird in Deutschland bereits getestet
Die Einführung von E20 wäre für Deutschland nicht vollständig neu. In Mannheim wird der Kraftstoff bereits innerhalb eines geschlossenen Flottentests erprobt.
Für eine reguläre Einführung an deutschen Tankstellen müsste allerdings zunächst die geltende Qualitätsnorm für Ottokraftstoffe angepasst werden. Diese erlaubt derzeit einen Ethanol-Anteil von maximal zehn Prozent.
Nach Einschätzung des Automobilclubs AvD könnte E20 technisch auch in Fahrzeugen eingesetzt werden, die für E10 uneingeschränkt freigegeben sind und über moderne Kraftstoffsysteme verfügen.
Erneuerbare Kraftstoffe für Verbrenner nach 2035
Die Diskussion um E20 erhält durch den Streit über die europäischen CO₂-Flottengrenzwerte neue Bedeutung. Deutschland und Frankreich haben gemeinsame Vorschläge erarbeitet, die Herstellern auch nach 2035 mehr Spielraum für Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor und Hybridantrieb geben sollen.
Bilger sieht erneuerbare Kraftstoffe dabei als einen möglichen Baustein für den Klimaschutz. Sie könnten dazu beitragen, die CO₂-Emissionen von Verbrennerfahrzeugen zu reduzieren und gleichzeitig bestehende Antriebstechnologien länger nutzbar zu machen.
Über die künftigen europäischen Vorgaben beraten derzeit das Europäische Parlament und die EU-Mitgliedstaaten.
Autoindustrie uneins über neue Verbrenner-Regeln
In der Automobilbranche fällt die Bewertung des deutsch-französischen Vorstoßes unterschiedlich aus. Volkswagen sieht in dem gemeinsamen Vorschlag zusätzliche Flexibilität für die europäische Autoindustrie.
Dem Verband der Automobilindustrie gehen die vorgeschlagenen Änderungen dagegen nicht weit genug. VDA-Präsidentin Hildegard Müller sieht unter anderem bei den Anforderungen an den Nutzfahrzeugsektor weiteren Anpassungsbedarf.
Damit bleibt für die Transportbranche offen, welche Rolle erneuerbare Kraftstoffe künftig auch bei schweren Nutzfahrzeugen übernehmen können.
Ladeinfrastruktur bleibt Herausforderung für E-Mobilität
Unabhängig von zusätzlichen Optionen für Verbrennungsmotoren soll der Ausbau der Elektromobilität fortgesetzt werden. Bilger verweist allerdings auf große Unterschiede bei der öffentlichen Ladeinfrastruktur innerhalb Europas.
Während Deutschland beim Aufbau des Ladenetzes vergleichsweise weit sei, bestehe in anderen europäischen Ländern Nachholbedarf. Gleichzeitig verfügen nicht alle Fahrzeughalter über Lademöglichkeiten zu Hause oder am Arbeitsplatz.
Die Debatte um E20 fügt sich damit in eine grundsätzlich breiter angelegte Antriebsstrategie ein: Neben Elektromobilität sollen erneuerbare Kraftstoffe dazu beitragen, die Emissionen im Straßenverkehr zu reduzieren und unterschiedliche Einsatzprofile abzudecken.