Briefporto könnte 2027 um mehr als 20 Prozent steigen

12.10.2026 13:32 Uhr | Lesezeit: 3 min
Briefkasten
Briefe und Pakete sollen 2027 spürbar teurer werden (Symbolbild)
©Foto: Asvolas/ AdobeStock

Die Bundesnetzagentur will der Deutschen Post für 2027 und 2028 deutlich höhere Porti ermöglichen. Brief- und Paketkunden müssen sich auf spürbare Preissteigerungen einstellen.

Der Briefversand in Deutschland könnte Anfang 2027 so teuer werden wie nie zuvor. Die Bundesnetzagentur hat einen Entwurf vorgelegt, der der Deutschen Post einen Preiserhöhungsspielraum von 20,35 Prozent für Briefe und Postkarten einräumt. Auch bei Paketen sind deutliche Preissteigerungen vorgesehen.

Damit würde die geplante Erhöhung den bisherigen Rekord aus dem Jahr 2025 deutlich übertreffen. Damals lag der genehmigte Spielraum bei 10,48 Prozent.

Standardbrief könnte mehr als einen Euro kosten

Welche Preise ab Januar 2027 tatsächlich gelten, entscheidet die Deutsche Post erst im nächsten Schritt. Sollte der genehmigte Spielraum vollständig ausgeschöpft werden, könnte das Porto für einen Standardbrief von derzeit 95 Cent auf rund 1,14 Euro steigen.

Seit 2012 hätte sich das Porto für einen Standardbrief damit nahezu verdoppelt. Damals kostete die Beförderung eines Standardbriefs noch 55 Cent.

Neben Standardbriefen könnten auch Großbriefe, Maxibriefe und Postkarten spürbar teurer werden.

Digitalisierung lässt Briefmengen schrumpfen

Hintergrund der geplanten Preissteigerungen ist der anhaltende Rückgang des Briefaufkommens. Während 2005 noch knapp 17 Milliarden Briefsendungen in Deutschland verschickt wurden, lag das Volumen 2025 nur noch bei rund 9,4 Milliarden Sendungen.

Gleichzeitig bleiben viele Kosten der Post weitgehend konstant. Das Unternehmen muss weiterhin ein flächendeckendes Netz von Briefkästen, Filialen und Zustellern vorhalten, obwohl die Zahl der Briefe kontinuierlich sinkt.

Nach Einschätzung der Bundesnetzagentur müssen diese Kosten auf immer weniger Sendungen verteilt werden, was den Preisdruck erhöht.


Auch Pakete und Geschäftspost betroffen

Nicht nur Privatkunden müssen mit höheren Kosten rechnen. Für Geschäftspost von Unternehmen und Behörden ist ebenfalls ein Preiserhöhungsspielraum von 20,35 Prozent vorgesehen.

Bei Paketen schlägt die Bundesnetzagentur eine Anhebung um 10,72 Prozent vor. Auch dieser Wert liegt deutlich über den Preissteigerungen der vergangenen Jahre.

Für Unternehmen könnte dies insbesondere bei großen Versandmengen zu steigenden Logistikkosten führen.



Bedeutung für Handel und Logistik

Für viele Unternehmen bleibt der Briefversand trotz fortschreitender Digitalisierung ein wichtiger Bestandteil der Kommunikation. Steuerberater, Rechtsanwälte, Behörden, Versicherungen und zahlreiche mittelständische Unternehmen versenden weiterhin große Mengen an Briefpost.

Gleichzeitig gewinnen die Paketpreise für E-Commerce-Unternehmen, Versandhändler und Logistikdienstleister zunehmend an Bedeutung. Preissteigerungen könnten sich daher auch auf Versandkosten und Kundenpreise auswirken.

Entscheidung fällt in mehreren Schritten

Der nun veröffentlichte Wert stellt zunächst lediglich den maximalen Preiserhöhungsspielraum dar. Im weiteren Verfahren werden zunächst Marktteilnehmer und Wettbewerber angehört.

Anschließend legt die Bundesnetzagentur die endgültige Vorgabe fest. Erst danach entscheidet die Deutsche Post, wie stark die einzelnen Brief- und Paketprodukte tatsächlich verteuert werden. Die neuen Entgelte sollen dann für die Jahre 2027 und 2028 gelten.

Trotz der geplanten Erhöhung bleibt der Briefversand in Deutschland im europäischen Vergleich weiterhin vergleichsweise günstig. In mehreren Nachbarländern liegen die Portokosten für Standardbriefe bereits heute über dem derzeitigen deutschen Niveau.


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