Hamburger Hafen

Der Hamburger Hafen ist im Aufschwung, dennoch fürchtet man zurzeit die unruhige Weltlage und die schwächere Konjunktur

©Thomas Schneider/picture-alliance

Hamburger Hafen im Zwischenhoch – Weltkonjunktur bremst

Nach Jahren der Stagnation geht es im Hamburger Hafen wieder aufwärts. Doch schon für das nächste Jahr ist die Hafenwirtschaft wieder skeptisch. Aus der Weltwirtschaft kommt nicht genug Dynamik.

Hamburg. Die unruhige Weltlage und eine schwächere Konjunktur könnten den aktuellen Aufschwung des Hamburger Hafens schnell wieder zunichte machen. „Wir können froh sein, wenn wir den Umschlag dieses Jahres wieder erreichen“, sagte Gunther Bonz, der Präsident des Unternehmensverbandes Hafen Hamburg (UVHH), in seinem Ausblick auf 2020 am Dienstag in der Hansestadt. Die Präsidentschaftswahlen in den USA und damit eine mögliche Verschärfung der Außenhandelspolitik, der Brexit und die Russland-Sanktionen führten zu einer unsicheren Situation. Vor allem aber wachse die Weltwirtschaft und damit auch der Welthandel nicht mehr im gleichen Tempo wie bisher, so dass schon aus konjunkturellen Gründen weiteres Wachstum schwierig zu erreichen sei.

Vollauf zufrieden zeigte sich Bonz dagegen mit dem laufenden Jahr. Erstmals seit fünf Jahren erwartet der Hafen wieder einen Containerumschlag von mehr als neun Millionen Standardcontainern (TEU) sowie ein Wachstum des Gesamtumschlags von gut 3,5 Prozent auf rund 140 Millionen Tonnen. „Der Beginn der Elbvertiefung hat bei den Kunden des Hafens wie ein befreiendes Signal gewirkt“, sagte der Verbandspräsident. „Dazu haben wir auch ein bisschen Glück gehabt.“ Große Reeder-Allianzen verlegten Container-Liniendienste aus anderen Häfen nach Hamburg.

Hamburger Hafen sieht Staat in der Pflicht

Die Hafenwirtschaft sieht im Wettbewerb mit den Häfen Rotterdam und Antwerpen einigen Nachholbedarf auf staatlicher Seite, um Nachteile für den Standort Hamburg zu beseitigen. Das betrifft wesentlich die Verkehrsinfrastruktur mit den Projekten einer neuen Querung des Köhlbrands sowie der Hafenverbindung zwischen den Autobahnen A1 und A7, die mittlerweile den Projektnamen A26 Ost trägt. Damit erhielte Hamburg einen seit Jahrzehnten geplanten Autobahnring im Süden, der den Transport der Container von und zu den Terminals wesentlich verbessern könnte.

Doch für die rund zwei Milliarden Euro teure Köhlbrand-Querung stehen weder die Planung noch die Finanzierung. Hamburg allein kann den notwendigen Ersatz für die Köhlbrand-Brücke nicht bezahlen, Zusagen vom Bund stehen noch aus. Und auch das Projekt A26 Ost wackelt, seitdem die Partei der Grünen sich nicht mehr eindeutig dazu bekennt. Bonz kritisierte Umweltsenator Jens Kerstan, der im Gegensatz zu früheren grünen Senatoren nicht mehr zu dem Projekt stehe. „Das ist nicht gut für die Verlässlichkeit und Glaubwürdigkeit der Politik des Hamburger Senats.“

Hafen trägt zum Klimaschutz bei

Daneben sieht sich der Hafen benachteiligt bei der Erhebung der Einfuhrumsatzsteuer, die für Importwaren über deutsche Häfen sehr viel früher erhoben werde als in Rotterdam und Antwerpen. Die Lösung dieses Problems sei zwar zugesagt, ziehe sich aber hin. Ebenso sei es nicht akzeptabel, dass einige Umschlagterminals in den anderen Häfen Steuerprivilegien in Anspruch nehmen könnten, weil sie zu Reedereien gehören.

Bonz verwies darauf, dass der Hamburger Hafen mit seinem hohen Eisenbahn-Anteil und vielen Anstrengungen zur Energie- und CO2-Einsparungen zu den umweltfreundlichsten Häfen in Europa gehöre. Im nächsten Jahr werden die ersten großen Containerschiffe den Hafen anlaufen, die mit flüssigem Erdgas LNG fahren. Sie werden allerdings in Hamburg nicht tanken, weil es dafür noch keine Infrastruktur gibt. (dpa/fa)

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