Lang-LKW

Der Widerstand ist geringer geworden: Demnächst dürfen Lang-Lkw auch auf ausgewählten Strecken in Baden-Württemberg testweise fahren

©VR/Michael Cordes

Feldversuch mit Lang-Lkw künftig auch im Südwesten

Lange hatte Baden-Württemberg an der Rechtsgrundlage des Pilotversuchs mit Lang-Lkw gezweifelt und Verfassungsklage gereicht. Nun sollen die Fahrzeuge doch auf bestimmten Autobahnen getestet werden.

Stuttgart. Lang-Lkw sollen nun doch auf den Autobahnen im Südwesten getestet werden. Die Landesregierung werde beim Bund beantragen, dass drei Abschnitte in den Feldversuch mit Lang-Lkw aufgenommen werden, teilte das Verkehrsministerium am Sonntag in Stuttgart mit. Baden-Württemberg hatte neben anderen zunächst an der Rechtsgrundlage des Pilotversuchs mit mehr als 25 Meter langen Lastwagen gezweifelt und Verfassungsklage gereicht. Das Bundesverfassungsgericht hatte im vergangenen Mai die Klagen gegen den seit Anfang 2012 laufenden Feldversuch des Bundes abgewiesen. Die Entscheidung, sich wie andere Bundesländer nun doch an dem Test zu beteiligen, dürfte auch auf Druck des Autokonzerns Daimler zurückgehen.

Die Auswirkungen von überlangen Lastern auf das Klima sind laut Ministerium bisher umstritten - obwohl auch der Zwischenbericht der Bundesanstalt für Straßenwesen (BASt) zum Feldversuch Aussagen über die Ökobilanz des Lang-LKW enthält. „Ich freue mich, dass nun auf wissenschaftlicher Basis geklärt wird, ob Lang-Lkw wirklich Klimaschutz-Vorteile haben“, sagte Minister Winfried Hermann (Grüne). Das Land und Autobauer Daimler wollen mit einer unabhängigen Studie den Test begleiten.

Daimler hatte im vergangenen Jahr Ausnahmeanträge für Tests mit Lang-Lkw beim Verkehrs- und beim Wirtschaftsministerium des Landes eingereicht. „Wir sind zuversichtlich, dass dabei eine erhebliche Entlastung für Infrastruktur und Klima nachgewiesen werden kann, denn verlängerte Lkw sparen nach bisherigen Erkenntnissen bis zu 25 Prozent CO2 und Diesel“, sagte Daimler-Nutzfahrzeugvorstand Wolfgang Bernhard am Sonntag. Bisher musste Daimler etwa auf dem Weg von Bayern nach Baden-Württemberg umladen.

Als Teststrecken im Südwesten sind geplant: die A81 von Würzburg zwischen der bayrischen Grenze und Herrenberg, die A8 von Bayern bis nach Karlsruhe und die A5 von Karlsruhe nach Rastatt. Die genannten Streckenabschnitte - insgesamt etwa 350 Autobahnkilometer - sollen ins Positivnetz aufgenommen werden, das die Grundlage für den bundesweiten Feldversuch bildet.

Strecken sind für alle Lang-Lkw frei

Die Strecken sind nach Aufnahme in das Positivnetz für alle Lang-Lkw frei gegeben, betonte ein Sprecher von Daimler. Die Erlaubnis sei nicht auf Lang-Lkw für die Werksbelieferung des Autobauers beschränkt. Man rechne mit dem Start des Versuchs, der von unabhängiger wissenschaftlicher Seite begleitet werden soll, in einigen Wochen. Welche Transporte dann in die Studie mit einbezogen werden, müsse noch entschieden werden. Betroffen sei eine Handvoll Spediteure, die im Auftrag für Daimler unterwegs seien.

„Es bedurfte schon der massiven Einflussnahme der Automobilwirtschaft auf den Ministerpräsidenten, dass der Verkehrsminister nun seine Blockadehaltung beim Lang-Lkw aufgibt“, sagte der verkehrspolitische Sprecher der FDP-Landtagsfraktion, Jochen Haußmann. Laut Verkehrsministerium waren bis Anfang Februar bundesweit 42 Unternehmen mit 111 Lastwagen für den Versuch angemeldet. Dieser soll bis Ende kommenden Jahres laufen. (dpa/sno/diwi)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special LANG-LKW – MASSE UND GEWICHTE.

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