Robert Breuhan Kombiverkehr

Robert Breuhahn, Geschäftsführer von Kombiverkehr, sparte nicht mit Kritik - unter anderem an DB Cargo

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Abwärtstrend bei Kombiverkehr hält auch 2019 an

Der Operateur macht auf seiner Gesellschafterversammlung für die rückläufigen Sendungszahlen vor allem gravierende Qualitätsprobleme verantwortlich.

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Frankfurt/Main. Kombiverkehr verliert weiter an Sendungen. Das gab der nach eigenen Angaben Marktführer im europäischen intermodalen Verkehr auf seiner Gesellschafterversammlung in Frankfurt bekannt. Nach Aussage des Unternehmens knüpft das Jahr 2019 „nahtlos an die Entwicklung des Vorjahres an“. 2018 hatte Kombiverkehr ein Minus bei den transportierten Sendungen in Höhe von 2,1 Prozent hinnehmen müssen. Zwischen Januar und Mai 2019 betrug der Rückgang ein Prozent. „Auch in den ersten fünf Monaten dieses Jahres wurde unsere Verkehrsentwicklung erneut von Streiks, Zugunglücken, überproportional steigenden Baustellentätigkeiten im gesamteuropäischen Schienennetz sowie von Ressourcenproblemen bei den Bahnen beeinflusst“, sagte Robert Breuhahn, Geschäftsführer von Kombiverkehr.

Zusätzlich spürte Kombiverkehr im selben Zeitraum konjunkturelle Probleme in der Automobil- und in der Chemieindustrie, wodurch die Auslastung nationaler wie internationaler Züge sank. „In Kenntnis der noch in diesem Jahr  verstärkten Baustellentätigkeiten – insbesondere auch auf dem deutschen Schienennetz – rechnen wir in den kommenden Monaten wie für das Gesamtjahr bestenfalls mit einer Stagnation unserer Verkehrsentwicklung“, fiel der Ausblick von Breuhahn wenig verheißungsvoll aus.

Breuhahn: „Erneut unbefriedigende Leistungsqualität von DB Cargo

Breuhahn sparte nicht mit Kritik an den Bahnen, namentlich auch DB Cargo. Die Tochter der Deutschen Bahn ist zu 50 Prozent an Kombiverkehr beteiligt. So führte Breuhahn den Rückgang im Jahr 2018 von 3,6 Prozent auf 200.000 Sendungen im deutschen nationalen Netz vor allem auf „die erneut unbefriedigende Leistungsqualität von DB Cargo“ zurück. Hier sei eine Pünktlichkeitsquote von weniger als 70 Prozent erreicht worden. Breuhahn stellte fest, dass sich die Qualität auf der Schiene mittlerweile sechs Jahre in Folge verschlechtert hat. Neben den vielen Baustellen machte er dafür auch Ressourcenprobleme bei den Bahnen verantwortlich: „Es fehlt an Loks und Lokführern und bei den Terminals an Umschlagkapazität.“ Daher konnte die Bahn auch zehn Prozent aller von Kombiverkehr regulär bestellten Züge nicht stellen.

Aber auch im internationalen Geschäft verzeichnete Kombiverkehr 2018 ein Minus. Mit 738.000 Sendungen (1,5 Millionen TEU) wurden 1,7 Prozent weniger Sendungen als im Vorjahr transportiert. Zwischen Deutschland und Italien, der wichtigsten Transportrelation von Kombiverkehr, sank das Sendungsaufkommen um 3,4 Prozent. Mit 368.000 Sendungen fährt noch immer mehr als jede vierte Transporteinheit über die Alpen, sei es über Österreich oder über die Schweiz. „Gerade im Österreich-Transit hätten Sektorales Fahrverbot, Blockabfertigung oder Brenner-Maut für einen wahren Boom via Brenner sorgen müssen“, meinte Breuhahn. „Das hatten wir auch erwartet.“ Den Strich durch die Rechnung machten „gravierende Qualitätsprobleme, die nicht nur die Bahnen verursacht haben.“ Umfangreiche Streckensperrungen durch Baustellen und Stürme kamen hinzu. Allein im August war die Hauptroute über den Brenner erneut zwei Wochen komplett gesperrt.

Erhöhung des Modal Splits auf 25 bis 30 Prozent unrealistisch

Daher vertreten Breuhahn und sein Kollege in der Geschäftsführung, Armin Riedl, auch die Ansicht, dass unter den aktuellen Rahmenbedingungen der Transportanteil der Schiene nicht wie von der Bundesregierung erhofft bis 2030 auf 25 bis 30 Prozent gesteigert werden kann.

Riedl stellte auf der Versammlung, auf der das Unternehmen auch seinen 50. Geburtstag feierte, Serviceverbesserungen vor, die vor allen die Sendungsinformationen betreffen. Bei dem Projekt KV 4.0, das auf den digitalen Austausch aller Sendungsdaten in der gesamten intermodalen Transportkette abziele, seien wichtige Meilensteine erreicht worden. „Wir haben mit unseren Projektpartnern die Datendrehscheibe definiert, die als Basis für einen voll digitalisierten Datenaustausch zwischen allen Beteiligten dienen kann und damit weitere Transparenz und Kostensenkungen ermöglicht“, sagte Riedl. Um die Umsetzung der Plattform schnell und effektiv voranzutreiben, soll in Kürze eine Entwicklungsgesellschaft gegründet werden. 

Sendungsverfolgung in Echtzeit künftig möglich

Zudem versprach Riedl, dass Kunden von Kombiverkehr in Kürze sowohl den Standort ihrer Sendungen auf der Schiene online in Echtzeit verfolgen als auch die voraussichtliche Abholzeit (Estimated Time of Pickup – ETP) im Zielbahnhof erfahren können. „Das bildet den Kern unseres Pilotprojekts Train Monitor, in dem seit der vergangenen Woche die ersten Zügen laufen und das wir hier auf der Gesellschafterversammlung erstmalig öffentlich vorstellen“, so der Geschäftsführer. (VR)

Weitere Berichte zu diesem Thema finden Sie in unserem Special RAILCARGO & KV.

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Railcargo & KV, Markt für Transport, Spedition und Logistik, Kombiverkehr, Deutsche Bahn

  • 03.07.2019

    Thorsten

    Das Geschäftsmodell von Kombiverkehr ist nicht mehr aktuell. Vielleicht sollten Sie darüber nachdenken... Denn ein Konto mit 50.000 EUR im Voraus einzurichten, ist absolut unverständlich. Das ist für mich Qualität, zu buchen und den Service zu nutzen ohne vorauszubezahlen.

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