Der Waldbrand am Saurüsselkopf bei Ruhpolding war ein Einsatz, der die Bergwacht Bayern über Wochen forderte: steiles Gelände, schwer zugängliche Bereiche, Glutnester tief im Boden. Normalerweise müssen Schläuche, Pumpen und Ausrüstung mühsam getragen oder per Hubschrauber transportiert werden. Diesmal kam erstmals die Lastendrohne „Carry“ im Realbetrieb zum Einsatz. Die elektrisch betriebene Drohne misst rund drei Meter, verfügt über acht Rotoren und zwei leistungsstarke Akkus. Pro Flug kann sie bis zu 40 Kilogramm transportieren. Insgesamt bewegte die Bergwacht während des Einsatzes rund 1,9 Tonnen Material. Drohnenpilot Volker Eisele, Vorstand der Stiftung Bergwacht und einer der führenden Experten im Technikteam Hochland, bringt es auf den Punkt: „Die Drohne ist ein Gamechanger.“
Wenn Logistik fliegen lernt – Lastendrohnen im Einsatz
Weniger Schleppen, weniger Risiko
Eisele beschreibt vor allem die körperliche Entlastung der Einsatzkräfte. Viele Lasten, die früher über lange Strecken im Rucksack transportiert wurden, lassen sich nun per Drohne bewegen. Sein Fazit: „Enorme Entlastung der Teams, die sonst alles im Rucksack transportieren müssen.“ Neben der Materiallogistik verbessert die Drohne auch die Sicherheit. Sie kann Bereiche anfliegen, die für Einsatzkräfte gefährlich wären – etwa steile Hänge, instabile Brandflächen oder Lawinenkegel.
Neue Optionen durch Kameratechnik
Im Allgäu testet die Bergwacht eine Variante der „Carry“ speziell für Winter- und Lawineneinsätze. Hier steht nicht der Lastentransport im Vordergrund, sondern die schnelle Lageerkundung. Wärmebildkameras, Rasterflüge und automatisierte Suchmuster sollen helfen, vermisste oder verschüttete Personen schneller zu finden. Eisele betont die Bedeutung der Sensorik: „Durch tolle Kameratechnik neue Optionen bei der Vermissten- oder Verunglückten-Suche, optimale Ergänzung bei Helikoptereinsätzen.“ Gerade in engen Tälern oder bei wechselnden Windbedingungen kann die Drohne aus sicherer Distanz prüfen, ob Wärmesignaturen im Lawinenkegel vorhanden sind. Für die Einsatzleitung entsteht so ein Lagebild, bevor überhaupt jemand aufsteigt.
Technik mit Grenzen
Trotz der positiven Erfahrungen bleibt die Technologie anspruchsvoll. Die Drohne benötigt viel Energie, die Akkus müssen regelmäßig gewechselt werden, und das Fliegen im Gebirge erfordert Erfahrung. Deshalb arbeitet die Bergwacht im Vier-Augen-Prinzip: Pilot und Spotter, volle Konzentration, klare Rollen. Auch die Integration in bestehende Abläufe ist komplex. Drohnenteams müssen geschult, Einsatzregeln definiert und Kommunikationswege angepasst werden. Die Bergwacht baut dafür spezialisierte Einheiten auf, die eng mit der Einsatzleitung zusammenarbeiten.
Blick nach vorn: Mehr Traglast, mehr Reichweite, mehr Automatisierung
Die nächsten Entwicklungsschritte sind bereits absehbar: größere Akkukapazitäten, höhere Traglasten, automatisierte Flugrouten und eine noch engere Verzahnung mit Hubschrauber- und Bodenteams. Modelle, die 100 Kilogramm transportieren können, sind bereits in der Erprobung. Damit wären neue Szenarien denkbar – vom Transport schwerer Pumpen bis hin zu medizinischem Material.
Fazit: Die Bergwacht Bayern zeigt, dass Lastendrohnen im Rettungseinsatz mehr sind als ein technisches Experiment. Sie beschleunigen Abläufe, reduzieren Risiken und entlasten Einsatzkräfte spürbar. Gleichzeitig bleibt die Technologie anspruchsvoll und erfordert klare Strukturen, Ausbildung und Erfahrung. Für die Bergrettung sind Drohnen damit ein strategisches Einsatzmittel – und ein Baustein für die Einsatzlogistik der Zukunft.