Vor Wahlen sind Politiker zu allem fähig, und wenn ein Schnäppchen winkt, kennen die Deutschen wenig Skrupel. Die Angst, nicht mehr gewählt zu werden und die Gier auf ein paar Euro – heraus kommt die Abwrackprämie, oder besser das Geheimnis ihres Erfolges. Die Bundesregierung kann jetzt gar nicht mehr anders als weiterzuzahlen, und ungeniert wirft sie Milliarden unters Volk, damit sich einige wenige ein neues Auto kaufen können. Konsum auf Pump, nur dass diesmal von vorneherein klar ist, dass der Steuerzahler die Zeche zahlt, man könnte auch sagen: ein fauler Kredit.
Ungerechter, populistischer, kurzsichtiger, aber auch erfolgreicher war nie eine Konjunkturmaßnahme, und Erfolg zieht bekanntlich magisch an. Es war also nur eine Frage der Zeit, bis die Trittbrettfahrer erscheinen würden. Saarlands Wirtschaftsminister Joachim Rippel (CDU) fordert im Interview mit der VerkehrsRundschau die Abwrackprämie für das Verschrotten leichter und mittlerer Nutzfahrzeuge. Wohl wissend, dass diese Subventioniererei Unternehmer bestraft, die regelmäßig in die Modernisierung ihres Fuhrparks investieren und diejenigen belohnt, die seit Jahren schrottreife Transporter durch die Städte fahren. Eine Wettbewerbsverzerrung ohnegleichen, die unter dem Deckmäntelchen der Umwelt ungeniert niedere Motive bedient. Fehlt bloß noch die Abwrackprämie für Häuser, Sofas, Waschmaschinen und warum nicht für 40-Tonner? Man weiß nicht so recht, soll man lachen oder weinen.
Das eine Loch wird gestopft, drei weitere tun sich auf. Milliarden an Fahrzeugwerten werden vernichtet, und hat eigentlich schon jemand daran gedacht, was nach dem Auslaufen dieser Subvention passiert? Denken scheint in diesen Tagen eine eher seltene Beschäftigung zu sein. O Herr, lass Hirn vom Himmel fallen!
Anita Würmser, Chefredakteurin