Es sollte das Vorzeigeprojekt der schwarz-gelben Verkehrspolitik werden. Sogar im Koalitionsvertrag hatten die Spitzen von CDU, CSU und FDP den bundesweiten Feldversuch mit überlangen LKW angekündigt. Endlich sollten innovative Konzepte im Straßenverkehr ausprobiert werden. Doch der 25-Meter-Laster nahm keine Fahrt auf. Jetzt, knapp zwei Jahre nach dem Antritt der konservativ-liberalen Koalition, ist der Start des Feldversuchs mit den mittlerweile als Lang-LKW bezeichneten Eurocombi mehr als fraglich. Die Mehrzahl der Bundesländer lehnt den Einsatz überlanger LKW aus Prinzip ab. Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer hat die Chance vertan Anfang 2010 mit einer soliden schwarz-gelben Mehrheit in Bundestag wie Bundesrat Fakten zu schaffen. Mittlerweile blockiert die immer stärker werdende Opposition in der Länderkammer den Start des Feldversuchs.
Selbst wenn der Testlauf in den nächsten Monaten tatsächlich noch anlaufen sollte, bringt er kaum verwertbare Ergebnisse. Das hat Hessens Verkehrsminister Dieter Posch erkannt, die Reißleine gezogen und sich gegen den Feldversuch ausgesprochen. Die Verordnung in der jetzt geplanten Version wirft durchaus Fragen auf: Warum soll der Feldversuch über fünf Jahre laufen, aber möglicherweise nicht die komplette Zeit wissenschaftlich begleitet werden? Was bringt ein Testlauf von lediglich 400 Fahrzeugen auf festgelegten Strecken, die nicht die realen Verkehrsbedingungen widerspiegeln? Welche neuen Logistikkonzepte lassen sich mit nur zwei Fahrzeugen pro Unternehmen sinnvoll erproben?
Ein echter Praxistest sollte die Fahrzeuge mit der Wirklichkeit konfrontieren. Anstatt dessen will Ramsauer ideale Verkehrsbedingungen herstellen und die LKW vor der Öffentlichkeit verstecken. Dass Lang-LKW auf Autobahnen fahren können, streitet niemand ab. Eine Fahrt über Land- und Kreisstraßen und in gewachsene Gewerbegebiete abseits der Autobahnen würde dagegen die 25 Meter langen Fahrzeuge und ihre Fahrer wirklich testen.
Ramsauer fehlt bisher der Wille und der Koalition die politische Kraft den Lang-LKW gegen den breiten Widerstand von Umweltgruppen, Bahnlobbyisten und Massenmedien auf die Straße zu bringen. „Mit Mut zur Zukunft" stand 2009 über den Koalitionsvertrag der Partner Merkel und Westerwelle. Nach zwei Jahren muss man feststellen: diese Koalition hat weder Mut noch Zukunft.
Sebastian Bollig, Politikredakteur