Hamburg. In der Autobranche wächst die Angst um die Arbeitsplätze. Europas größter Autobauer Volkswagen kündigte angesichts der Absatzkrise der Branche harte Einschnitte an. Die schwache Marktentwicklung sowie die Finanzkrise seien eine brisante Mischung, sagte VW-Chef Martin Winterkorn nach Angaben eines Sprechers auf einer Versammlung der Führungskräfte des Autobauers. 2009 werde ein sehr schwieriges Jahr für die gesamte Automobilbranche und auch für das eigene Unternehmen. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer erwartet einen Rückgang der Leiharbeit bei deutschen Autobauern von zuvor 100.000 auf 20.000 Beschäftigte bis Mitte nächsten Jahres. Zusätzlich erschreckten Hiobsbotschaften aus der Nutzfahrzeugbranche und die Talfahrt der Aktienmärkte, die auch die Autowerte mitriss. Der Gewinneinbruch und die gekappte Prognose des schwedischen Lastwagenherstellers Volvo für den europäischen LKW-Markt belasteten die Autoaktien. Daimler hatte am Vortag zum zweiten Mal in diesem Jahr eine Gewinnwarnung herausgegeben; die Aktien sackten am Freitag zeitweise um mehr als 11 Prozent auf gut 21 Euro ab, VW fielen um mehr als 11 Prozent auf 203,11 Euro, auch BMW verloren zeitweise mehr als acht Prozent. Erneute Spekulationen über eine Pleite des angeschlagenen US- Autobauers General Motors (GM) schürten zusätzlich Ängste. Die Opel-Mutter dementierte die Gerüchte am Freitag ausdrücklich. Im Unterschied zu anderen Autobauern wie etwa Daimler hat Volkswagen seine Prognosen für das Gesamtjahr 2008 nicht nach unten geschraubt. Der Absatz soll steigen, ebenso wie das operative Ergebnis. In den ersten neun Monaten erhöhte sich der VW-Konzernabsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 3,9 Prozent auf weltweit 4,8 Millionen Fahrzeuge. Der VW-Konzern legte auch im September mit 550.000 KFZ-Auslieferungen noch um 0,7 Prozent zu. VW hat bereits Produktion umgeschichtet, Lieferzeiten verkürzt und einige geplante Sonderschichten wieder abgesagt. Die Konzerntöchter Seat, Skoda und VW Nutzfahrzeuge haben zudem Produktionseinschränkungen angekündigt. Dudenhöffer sieht die Aussichten der Branche für 2009 negativ. "Wir gehen auf eine Kaufverweigerung zu. In Deutschland erwarte ich einen Verkauf von Neufahrzeugen unter der 3-Millionen-Marke", sagte der Automobilexperte von der Universität Duisburg-Essen. Dieses Jahr sollen es noch 3,1 Millionen sein, nach 3,15 Millionen im bereits schwachen Jahr 2007. Auch bei den LKW-Herstellern spitzt sich die Lage dramatisch zu. Wie der Herstellerverband ACEA in Brüssel berichtete, sank die Zahl der Neuzulassungen in Europa im September um 8,8 Prozent gegenüber dem Vergleichszeitraum 2007. Führende LKW-Bauer wie Volvo und die VW-Tochter Scania berichteten von einem heftigen Einbruch bei den Aufträgen. So bezifferte Volvo-Chef Leif Johansson am Freitag im schwedischen Göteborg den derzeitigen Auftragseingang beim eigenen Unternehmen auf "praktisch Null". Scania, das seit Jahren als besonders erfolgreicher Nutzfahrzeug-Anbieter gilt und mehrheitlich zu Volkswagen gehört, konnte den Gewinn im dritten Quartal zwar noch einmal um 3,6 Prozent auf 1,8 Milliarden Kronen (180 Millionen Euro) steigern. Der Umsatz legte um 2,6 Prozent auf 20,4 Milliarden Kronen zu. Der Auftragsbestand lag mit 11.356 Bestellungen jedoch um fast 38 Prozent unter der Vergleichszahl des Vorjahres. Die Finanz- und Wirtschaftskrise schlägt auch voll auf die beiden französischen Autokonzerne Renault und PSA Peugeot-Citroën durch. Europas größter VW-Rivale PSA nahm nach einem Umsatzeinbruch im dritten Quartal um 5,2 Prozent seine Geschäftsprognosen zurück und kündigte zwangsweise Werksschließungen an. Auch Renault senkte die Prognosen und greift auf Werksschließungen zurück. "Die Krise ist nicht zu Ende", sagte PSA-Chef Christian Streiff am Freitag in Paris. (dpa)
Zittern um Arbeitsplätze in der Autobranche - Kurse brechen ein
Mehrere Hersteller kündigen scharfe Einschnitte an - Auch bei den LKW-Herstellern spitzt sich die Lage dramatisch zu