Zeil: Aufschwung nach wie vor labil

12.04.2010 14:10 Uhr
Martin Zeil
Martin Zeil setzt auf Wachstumspolitik
© Foto: ddp

Bayerischer Wirtschaftsminister: Rückgang des Bruttoinlandprodukts um fünf Prozent / Einbruch der Exporte um 20 Prozent / Bereich Nutzfahrzeuge werde sich nur langsam erholen

München. Das Bruttoinlandsprodukt von Bayern ist im vergangenen Jahr ebenso wie auf Bundesebene um fünf Prozent eingebrochen. Nominal entspricht das einem Rückgang auf 429,9 Millionen Euro. Das verkündete Martin Zeil, bayerischer Minister für Wirtschaft, Infrastruktur, Verkehr und Technologie, heute auf Jahrespressekonferenz im Bayerischen Ministerium für Wirtschaft. Die Ausfuhren seien deutlich um 20,4 Prozent auf 124 Milliarden Euro eingebrochen. Lichtblick sei dabei China, das 2009 als einziges Land mehr Einfuhren aus Bayern abgenommen hat als im Vorjahr. Dass Reich der Mitte sei mittlerweile auf Platz sechs der wichtigsten Kunden vorgerückt. Chinas Absatz stieg dabei um 6,8 Prozent auf 7,2 Milliarden Euro. Durchschnittlich sanken die Exporte in andere Länder zwischen 10 und 25 Prozent, bei Russland sogar um 44,3 Prozent. Hauptabnahmeland war Österreich, gefolgt von den USA, Italien, Frankreich und Großbritannien. Die bayerische Industrie musste laut Zeil ein Minus von 17,4 Prozent verkraften. „Besonders bei den Nutzfahrzeugen war der Absturz am steilsten. Es wird viel länger dauern wieder an frühere Zahlen anzuknüpfen als in anderen Zweigen“, sagte der bayerische Wirtschaftsminister. Dieses Minus soll vor allem durch Zukunftstechnologien, wie Umwelttechnik, innovative Kraftstoffe oder Elektromobilität ausgeglichen werden, die bereits während der Krise am wenigsten gelitten hatten. „Der Sturz war tief. Es gibt viel aufzuholen“, zog Zeil als Fazit. Für das laufende Jahr zeigte sich der Minister jedoch optimistisch, dass die Konjunktur durch Wachstumspolitik im Laufe des Jahres wieder an Fahrt gewinnen werde. „Ich erwarte einen moderaten Anstieg der Wirtschaftsleistung um real gut 1,5 Prozent“, schätzte Zeil. Trotzdem warnte er vor voreiliger Euphorie. Der Aufschwung sei nach wie vor labil. Selbst wenn die Wirtschaft wieder wie im Durchschnitt der letzten zehn Jahre wachsen solle, würde es in Bayern mindestens bis 2013 und in Deutschland bis 2014 dauern, bis das Niveau von 2008 wieder erreicht werde. Zur Verkehrspolitik äußerte sich Zeil nur am Rande: Durch die Einführung des Planungskostenbudgets im Berliner Koalitionsvertrag sollen wichtige Schienenprojekte im Freistaat, wie die Verbindungen Nürnberg - Hof und Regensburg - Hof, vorangetrieben werden. Außerdem sollen die Gewinne aus der Infrastruktur beim Netz bleiben, damit auf Bundesebene mehr Mittel für die Erhaltung und den Ausbau eines zukunftsfähigen Eisenbahnnetzes zur Verfügung stehen. Ob in München eine dritte Start und Landebahn gebaut wird, soll der Planungsfeststellungsbeschluss in der zweiten Jahreshälfte entscheiden. Eine Studie des Hamburger Wirtschaftsinstituts bestätige jedoch den Bedarf an dem Ausbau des Münchener Flughafens. (ab)

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