Hamburg. Die deutsche Schiffbau- und Offshore-Zuliefer-Industrie wird weiter von einer Welle des Erfolgs getragen. „Wir blicken ungebrochen zuversichtlich in die Zukunft“, fasste Lüder Hogrefe, Vorstand der VDMA Schiff- und Offshore-Zulieferer (VDMA= Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau), heute in Hamburg die Stimmung der vornehmlich mittelständisch geprägten Branche zusammen. Für das zurückliegende Jahr kann dieser Hightech-Zweig der deutschen Industrie erneut mit Spitzenwerten glänzen. Die Unternehmen erwirtschafteten im abgelaufenen Jahr einen Umsatz von rund 11, 9 Milliarden Euro, knapp 14 Prozent mehr als 2006. Hogrefe stellte für das laufende Geschäftsjahr erneut ein Umsatzplatz von um die zehn Prozent in Aussicht. Mit dem Umsatzplus verbunden ist auch der Ausbau der Beschäftigung in den Betrieben, die Ende 2007 gut 76.000 Mitarbeiter auf ihren Lohn- und Gehaltslisten zählten. So groß die Freude über das hohe Umsatzwachstum sowie die hohen Auftragsbestände ist. Die Branche macht sich auch Sorgen. So macht sich der Mangel an Fachkräften immer deutlicher und schmerzhafter bemerkbar. Wobei neben Ingenieuren – und zwar alle nur denkbaren Ingenieurfachrichtungen – auch gut ausgebildete Facharbeiter fehlen. Die Betriebe haben daher allesamt ihre Anstrengungen zur Rekrutierung von neuen Mitarbeitern sowie der Fortbildung verstärkt. Sorgenfalten bescheren den Industriebetrieben auch die anhaltende Dollar-Schwäche gegenüber dem harten Euro. Denn der Exportanteil dieser Branche liegt auf einem sehr hohen Niveau, das heißt bei rund 73 Prozent. Schiffbauzulieferteile „Made in Germany“ sind auch deshalb so gefragt, weil weltweit ungebrochen auf einem hohen Niveau Schiffsneubauten bestellt werden. VDMA-Vorstand Hogrefe sprach sogar von einem „explosionsartigen Zuwachs“ bei den Neubauaufträgen 2007, nämlich auf mehr als 10.000 Schiffe – kommend von rund 6900 Ende 2006. Für die deutschen Zulieferer ist Asien inzwischen die mit Abstand wichtigste Absatzregion. Gut 39 Prozent Fertigung ging 2007 nach Fernost, gefolgt von Europa mit 34 Prozent. Hogrefe präzisierte: „China ist der größte Auslandsmarkt mit gut 25,7 Prozent der Auslandsorder.“ Als Schiffbauland der Zukunft werde Indien für die deutschen Unternehmen an Bedeutung gewinnen. Die Rolle der Schiffszulieferer als Motor für Innovationen wird in den kommenden Jahren eher noch weiter gestärkt. So werde das Thema „Sauberes Schiff“ vor dem Hintergrund der Klimaschutzdiskussion von den Unternehmen „pfiffige Ideen“ (Hogrefe) verlangen. Die Reedereien seien sehr daran interessiert, dass ihnen für ihre neuen Schiffe Systeme zur Verfügung gestellt werden, mit denen sich der Brennstoffverbrauch wirksam senken lasse. Eine Anforderung, die nicht nur der Umwelt zuliebe bestehe, sondern auch um die Schiffsbetriebskosten zu senken. Hogrefe verwies in diesem Zusammenhang auf aktuelle Entwicklungen wie das Zugdrachen-System oder das wachsende Interesse an Wellengenerator-Systemen zur Stromerzeugung während der Seereise. Das Hamburger Unternehmen SAM Electronics GmbH steht im Hafen von Antwerpen unmittelbar vor der Inbetriebnahme der ersten Landstromversorgungs-Anlage für Containerschiffe. (eha)
Weltweiter Schiffbauboom sorgt für dicke Auftragspolster
Deutsche Schiffszulieferer bleiben optimistisch / Der Fachkräftemangel bereitet zunehmend Sorgen