Berlin. Kurz vor dem endgültigen Beschluss der Berliner SPD über den Weiterbau der A 100 auf einem Parteitag am Samstag werben Befürworter und Gegner für ihre Positionen. Der ADAC und die Berliner Wirtschaft appellierten an die größere Regierungspartei, sich für den Weiterbau der Stadtautobahn von Neukölln nach Treptow einzusetzen. Die Verlängerung der A 100 sei Voraussetzung für eine „leistungsfähige Anbindung des Berliner Nordostens" und damit der Stadt an den neuen Großflughafen BBI, erklärte ADAC-Vorstandsmitglied Dorette König am Donnerstag. Die Berliner Linke innerhalb der SPD bekräftigte dagegen ihre Ablehnung. Sie stellt rund 60 Prozent der Parteitags-Delegierten.
Aus Sicht der Berliner Industrie- und Handelskammer sowie der Handwerkskammer ist das Projekt für die ganze Stadt wichtig - alle anderen geplanten Verkehrsmaßnahmen setzten eine Entlastung durch den Autobahnabschnitt voraus. Wohngebiete im Ostteil der Stadt würden vom Durchgangsverkehr entlastet, fügte der ADAC hinzu. Die Bürger profitierten von mehr Ruhe und weniger Abgasen. So argumentieren auch Verkehrssenatorin Ingeborg Junge-Reyer (SPD), der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit sowie SPD-Chef Michael Müller. Sie alle wollen am Samstag auf dem Parteitag für den Bau des umstrittenen Teilstücks kämpfen.
„Meine persönliche Meinung ist, dass eine mit Bundesmitteln finanzierte Autobahn keinen Deut besser ist als eine mit Landesmitteln finanzierte", sagte dagegen der Sprecher der Berliner Linken in der SPD, Mark Rackles, der „Berliner Zeitung" (Donnerstag). Das rund 420 Millionen teure Teilstück bezahlt zum größten Teil der Bund.
Rackles plädierte dafür, die Bundesmittel, die bei Verzicht auf eine Verlängerung der Stadtautobahn frei würden, lieber für das geplante Humboldtforum einzusetzen. Die Bundesregierung hatte im Rahmen ihrer Sparbeschlüsse den für 2010 vorgesehenen Beginn des Wiederaufbaus des Stadtschlosses auf 2014 verschoben.
„Das Geld kommt ja letztlich aus unserer Tasche als Steuerzahler. Das Bundesbauministerium ist sowohl für die A 100 als auch für das Humboldtforum zuständig. Wir sollten auf dem parlamentarischen Weg versuchen, die bei der Autobahn eingesparten Mittel für das Humboldtforum umzuwidmen", sagte Rackles. (dpa)