Köln. Der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) hält den Verordnungsentwurf der EU-Kommission zur Einführung von europäischen Güterverkehrskorridoren für nicht annehmbar. „Die Diagnose stimmt, aber die Therapievorschläge der Kommission überzeugen nicht“, erklärte VDV-Hauptgeschäftsführerin Claudia Langowsky am Dienstag in einer Stellungnahme. Mit dem Verordnungsentwurf strebt Brüssel ein europäisches Schienennetz für einen wettbewerbsfähigen Güterverkehr an. Damit sollen möglichst kurzfristig grenzüberschreitende Güterverkehrskorridore die Infrastrukturverfügbarkeit für den Schienengüterverkehr signifikant erhöhen und dessen Qualität nachhaltig zu verbessern. „Das Ziel der Kommission, die Nutzung und Verfügbarkeit von Infrastrukturkapazitäten für den Schienengüterverkehr zu verbessern, ist absolut richtig“, betonte Langowsky. Leider sei die vorgeschlagene Verordnung jedoch nicht geeignet, dieser Anforderung gerecht zu werden. „Die größten Probleme entstehen für die Güterbahnen im grenzüberschreitenden Verkehr dadurch, dass es schlichtweg an Infrastrukturkapazitäten mangelt. Doch die Kommission macht leider keine Vorschläge, wie zusätzliche Kapazitäten geschaffen werden können.“ Die EU-Behörde beschränke sich auf Vorschläge zu organisatorischen Strukturen von Netzbetreibern, deren Investitionsplanung und Infrastrukturmanagement, kritisierte der Verband. „Wir lehnen es ausdrücklich ab, dass die unterschiedlichen Nutzer des Netzes gegeneinander ausgespielt werden“, sagte die VDV-Chefin. „Dem Güterverkehr einen Vorrang vor dem Personenverkehr einzuräumen, ist keine Lösung. Damit wird das Problem nur verlagert.“ Nach Ansicht des VDV sind Lösungsansätze erforderlich, die die Infrastrukturverfügbarkeit erhöhen und den Interessen aller Nutzer des Netzes gerecht werden. Nur so werde Leistungsfähigkeit des Eisenbahnsektors insgesamt erhöht. (ag)
VDV lehnt europäisches Bahnfrachtnetz ab
Verband Deutscher Verkehrsunternehmen kritisiert Verordnungsentwurf der EU-Kommission