Termin für Jade-Weser-Port-Betrieb steht

28.05.2010 14:42 Uhr
Jade-Weser-Port
Die Diskussion um die Inbetriebnahme des Jade-Weser-Ports wurde heute außergerichtlich beendet
© Foto: ddp

Bis zum August 2012 soll der erste Abschnitt in Betrieb genommen werden, ein Jahr später folgt die Gesamtinbetriebnahme

Wilhelmshaven. Mehrere Wochen galt bei den Verantwortlichen für den Jade-Weser-Port eine Politik des Schweigens. Während Spekulationen über eine Verschiebung des Starttermins für den Tiefwasserhafen ins Kraut schossen, herrschte beim künftigen Betreiber Eurogate und der Realisierungsgesellschaft für das Prestigeprojekt Stillschweigen. Am Freitag wurden endlich die Fakten auf den Tisch gelegt: Ein dreiviertel Jahr später als bisher geplant soll der Tiefwasserhafen am 5. August 2012 seinen Betrieb aufnehmen. Zumindest auf dem ersten 1000 Meter langen Abschnitt, teilen beide Verhandlungspartner mit.

"Bautechnisch liegen wir voll im Zeitplan, sind aber mit dem Start Mitte 2012 dem Betreiber entgegengekommen, weil wir die aktuelle wirtschaftliche Situation nicht ignorieren und sicher sein wollen, dass ab Inbetriebnahme auch der erforderliche Containerumschlag erfolgt", sagte der Geschäftsführer der Realisierungsgesellschaft, Axel Kluth.

Auf die Verzögerung hatten der Betreiber Eurogate und auch die dänische Großreederei Maersk gedrungen. Der Hintergrund sind nackte Wirtschaftsdaten. Die Umschlagszahlen an den Containerterminals der deutschen Häfen rutschten in der Wirtschaftskrise in den Keller. 2009 sank der Umschlag bei den Boxen in Hamburg um 20,5 und in Bremerhaven um 17,5 Prozent. Mit der Einigung auf die Verschiebung sei nun eine "einvernehmliche Lösung" und "Planungssicherheit" geschaffen worden.

Wilhelmshavens Oberbürgermeister: Verträge müssen eingehalten werden

Die Zeche dürften nun wohl andere zahlen. Vor wenigen Tagen warnte Wilhelmshavens Oberbürgermeister Eberhard Menzel (SPD) vor Vertrauensverlust und der schlechteren Einnahmesituation der Stadt. "Wenn es Verträge gibt, sind diese einzuhalten", mahnte er während der Spekulationen.

Auch der hafenpolitische Sprecher und designierte Landesvorsitzende der niedersächsischen SPD, Olaf Lies, sieht den Schwarzen Peter nun in Wilhelmshaven. "Welche Folgen die Verzögerung mit sich bringt, beispielsweise für mögliche Investoren in der Hafenperipherie, lässt sich noch nicht beziffern", sagte er zu der Entscheidung. "Die Verluste dürften erheblich sein."

Diskussion um Jade-Weser-Port könnte weiter gehen

Ob damit beim Reizobjekt Tiefwasserhafen, der vollends dann im August 2013 fertig sein soll, endlich Ruhe einkehrt, ist fraglich. Seit Jahren gibt es immer wieder neue Diskussionen um den Jade-Weser-Port, wenn auch das Bauprojekt grundlegend nicht in Frage gestellt wird.

Für Lies ist die Lebensfähigkeit des Hafens immer noch offen. "Eine noch für viele Jahre mangelhafte Hinterlandanbindung des Hafens und die Unklarheit darüber, ob Eurogate Wilhelmshaven überhaupt einen entsprechenden Mindestumschlag zubilligt, machen eine Entwarnung zu diesem Zeitpunkt unmöglich", sagte der SPD-Politiker. (dpa)  

MEISTGELESEN


KOMMENTARE

SAGEN SIE UNS IHRE MEINUNG

Die qualifizierte Meinung unserer Leser zu allen Branchenthemen ist ausdrücklich erwünscht. Bitte achten Sie bei Ihren Kommentaren auf die Netiquette, um allen Teilnehmern eine angenehme Kommunikation zu ermöglichen. Vielen Dank!

WEITERLESEN



NEWSLETTER

Newsletter abonnieren und keine Branchen-News mehr verpassen.


Die VerkehrsRundschau ist eine unabhängige und kompetente Abo-Fachzeitschrift für Spedition, Transport und Logistik und ein tagesaktuelles Online-Portal. VerkehrsRunschau.de bietet aktuelle Nachrichten, Hintergrundberichte, Analysen und informiert unter anderem zu Themen rund um Nutzfahrzeuge, Transport, Lager, Umschlag, Lkw-Maut, Fahrverbote, Fuhrparkmanagement, KEP sowie Ausbildung und Karriere, Recht und Geld, Test und Technik. Informative Dossiers bietet die VerkehrsRundschau auch zu Produkten und Dienstleistungen wie schwere Lkw, Trailer, Gabelstapler, Lagertechnik oder Versicherungen. Die Leser der VerkehrsRundschau sind Inhaber, Geschäftsführer, leitende Angestellte bei Logistikdienstleistern aus Transport, Spedition und Lagerei, Transportlogistik-Entscheider aus der verladenden Wirtschaft und Industrie.