Brüssel. Lärmverringerung im europäischen Eisenbahnverkehr ist am besten mit einem EU-weit einheitlichen Preissystem zu erreichen, bei dem Züge mit leiser rollenden Lokomotiven und Wagons weniger Gebühren für die Nutzung von Schienenstrecken zahlen, als Züge mit lärmendem Material. Diese Empfehlung sprechen die Autoren einer Studie aus, die federführend von der Universität Dortmund im Auftrag des Verkehrsausschusses des Europaparlaments erstellt worden ist.
Die effektivste Lärmminderung sei durch den Einbau von leiseren Bremsen bei Wagons zu erreichen. Deshalb müssten Anreize dafür geschaffen werden, die an alten Wagons eingesetzten Bremsklötze aus Grauguss gegen modernere Bremsen auszuwechseln. Mit den bereits verfügbaren K-Sohlen und den derzeit getesteten LL-Sohlen, die preiswerter als die K-Sohlen sein könnten, sei eine Lärmverringerung von rund 50 Prozent erreichbar. Die Anreize zum Einbau dieser Materialien müssten so beschaffen sein, dass sie den Bahnverkehr im Wettbewerb mit anderen Gütertransportträgern nicht benachteiligten.
Investitionen am rollenden Material halten die Autoren grundsätzlich für sinnvoller, als Lärm durch Infrastrukturmaßnahmen einzudämmen. Neue Infrastrukturen, wie zum Beispiel Lärmschutzwände, könnten nur punktuell an bestimmten Streckenabschnitten für Lärmminderung sorgen. Investitionen am rollenden Material kämen dagegen im ganzen Netz zum Tragen.
Bei den Abgeordneten des Verkehrsausschusses, in dem die Studie am Dienstag vorgestellt wurde, kamen diese Empfehlungen gut an. Allerdings verwiesen die Politiker auch auf Hindernisse, die es bei der Umsetzung der Maßnahmen zurzeit noch geben würde. So stünden zum Beispiel EU-Gelder für den Bau von Infrastruktur bereit, durch die Lärm im Schienenverkehr eingedämmt werden kann. Doch für Maßnahmen am beweglichen Material gibt es derzeit keine EU-Kofinanzierung.
Auf die Pflege der Schienen als eine weitere Möglichkeit, Lärm zu verringern, verwies der Grünen-Abgeordnete Michael Cramer. „In der Schweiz werden die Schienen alle zwei Jahre abgeschleift“, sagte er. Außerdem sei in der Alpenrepublik vorgesehen, ab 2020 Wagons mit alten Grauguss-Bremsen nicht mehr auf dem Schienennetz zuzulassen.
Uwe Clausen, Professor für Transportlogistik an der Uni Dortmund und einer der Verfasser der Studie, bestätigte die Schweiz als Vorbild für lärmreduzierende Maßnahmen im Bahnverkehr. „Aber nicht alle Mitgliedsstaaten der EU können sich solche Investitionen wohl leisten“, schränkte er die Übertragbarkeit des Vorbilds auf die EU ein.
Die Studie ist eine reine Bestandsaufnahme. Ein Auftrag an die EU-Kommission, einen Gesetzesvorschlag aufgrund der ausgesprochenen Empfehlungen zu erstellen, beinhaltet sie nicht. (kw)