Streit mit mir!

16.08.2013 13:11 Uhr

Angriff ist nicht die beste Verteidigung, immer nachgeben aber auch keine Lösung. Denn Konflikte bringen einen weiter.

München. Oft sind es Kleinigkeiten, die sich über Wochen hinweg hochschaukeln – und letztendlich zu einem handfesten Streit führen. Aber auch, wenn verschiedene Meinungen oder Werte aufeinanderprallen und nicht akzeptiert werden, können Konflikte entstehen. Wie im Privatleben gehören sie auch im Job zum Alltag. „Das ist ganz normal. Wichtig ist nur, dass man Konflikte offen anspricht und austrägt“, sagt Kommunikationstrainerin Viola Moritz.

Aber da beginnt meist das Unheil erst richtig. „Streitigkeiten konstruktiv anzugehen, ist uns nicht in die Wiege gelegt. Das müssen wir erst lernen. Stattdessen stoßen wir unser Gegenüber vor den Kopf und verschlimmern die Situation noch“, erklärt Moritz. Das geschieht meist unbewusst, weshalb vielen nicht klar ist, warum der andere so gereizt reagiert.

Leistungsstark und innovativ

Dabei sind Auseinandersetzungen unglaublich wichtig für Unternehmen. „Konflikte bringen Entwicklung, neue Sichtweisen, Kreativität und Wandel. Werden sie unterdrückt, bedeutet das oft Stillstand und damit auch Rückschritt“, warnt Viola Moritz. Aber gerade Berufseinsteiger gehen aus Unsicherheit Unstimmigkeiten – insbesondere mit dem Chef – eher aus dem Weg. Verständlich. Viele junge Leute beobachten zunächst einmal, wie Kollegen Probleme untereinander, aber auch mit dem Vorgesetzten lösen. So lässt sich schnell feststellen, welche Streitkultur im Betrieb vorherrscht. Wie auch immer diese aber aussieht, stellen sich wohl jedem Mitarbeiter bisweilen Fragen wie diese: Soll ich meinen Chef auf Schwierigkeiten überhaupt ansprechen oder den Ärger besser herunterschlucken? Bringt es überhaupt etwas, mit dem Vorgesetzten zu streiten oder hat er sowieso das letzte Wort? Und schadet so ein Streit vielleicht sogar meiner Karriere?

Viola Moritz ist überzeugt davon, dass sich streiten lohnt – auch mit dem Chef. Aber: Bevor man das Gespräch sucht, sollte man reflektieren, ob die Kritik wirklich angemessen ist. Und natürlich müssen die Regeln einer konstruktiven Aussprache gelten. „Vorgesetzte bekommen meist wenig Feedback, weil die Mitarbeiter sich nicht trauen, Unstimmigkeiten anzusprechen. Dabei kann der Chef seinen Mitarbeitern Wünsche und Forderungen natürlich nicht von den Augen ablesen. Deshalb sind sie über ein offenes Wort oft dankbar.“

Manchmal ist es laut Moritz aber auch besser, einmal „fünf gerade sein zu lassen“. Wegen einer Bagatelle jemandem eine Moralpredigt zu halten, kommt nicht gut an. Und nicht immer ist der eigene Ärger angebracht. In der Hektik des Arbeitsalltags reagiert man manchmal einfach über.

Ein Patentrezept gibt es nicht

Aber nicht nur Berufseinsteiger tun sich mit dem Thema mitunter schwer. Auch die Unternehmen selbst. Kaum ein Betrieb wollte Stellung dazu nehmen, welche Spielregeln in punkto Konflikte intern gelten oder welches Verhalten von Mitarbeitern erwartet wird. Nicht so die Deutsche Bahn. Dort gehört seit 1996 ein Training zur Sozial- und Methoden-Kompetenz zur Ausbildung dazu. Dabei steht auch der Umgang mit Konflikten auf dem Programm. Klar trotz allem: Es gibt kein Patentrezept für die Lösung von Auseinandersetzungen. „Jeder Konflikt muss für sich betrachtet und verstanden werden. Viele Probleme lassen sich im sachlichen Gespräch klären. Mitarbeiter können sich aber auch Hilfe bei geschulten, DB-internen Mediatoren suchen“, so eine DB-Sprecherin.

 

Die unterschiedlichen Konfliktarten

Ursachen für Konflikte gibt es viele: Antipathie, unterschiedliche Persönlichkeitstypen oder Ziele, Missverständnisse – all das kann eine Rolle spielen. Meist geht es um emotionale Verletzungen und diese wollen akzeptiert werden. Um eine Lösung für einen Konflikt zu finden, ist es wichtig, zunächst einmal herauszufinden, um welche der folgenden Konfliktarten es sich handelt:

— Sozialer Konflikt: Meist tritt dieser zwischen zwei Personen auf, bei denen die „Chemie“ nicht stimmt. Der eine findet den anderen arrogant, zickig, abweisend oder unsympathisch.

— Innerer Konflikt: Hier handelt es sich um einen Konflikt, den man allein mit sich selbst austrägt. Beispiel: Ein neuer Mitarbeiter will auf der einen Seite seinem Chef seine Motivation zeigen und bleibt deshalb oft sehr lange im Büro. Auf der anderen Seite möchte er seine Familie nicht vernachlässigen.

— Struktureller Konflikt: Dieser wird durch eine Organisation ausgelöst. Zwei Abteilungen verfolgen beispielsweise entgegengesetzte Ziele: Während der Verkauf investieren möchte, um den Umsatz zu steigern, setzt das Controlling auf die Minimierung von Kosten. Diese Konflikte werden oft als soziale Konflikte wahrgenommen und ausgetragen, obwohl sie durch die Organisation hervorgerufen werden. „Anstatt sich hier emotional aufzureiben, ist es sinnvoll, solche Konflikte auf die nächste Hierarchiestufe zu eskalieren. Dort kann dann entschieden werden, wie weiter verfahren wird“, sagt Expertin Viola Moritz. (ts)

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