New York. Der letzte Überlebende der vier somalischen Piraten, die kürzlich einen US-Frachterkapitän im Indischen Ozean fünf Tage spektakulär als Geisel gehalten haben, soll in New York vor Gericht gestellt werden. Bei einer ersten Anhörung am Dienstag entschied Bundesrichter Andrew Peck, der junge Mann habe keinen Anspruch auf das mildere Jugendstrafrecht. Er werde wie ein Erwachsener behandelt. Der Beschuldigte, der in einem blauen Overall mit Handfesseln vorgeführt wurde, weinte bei seiner Vernehmung. Er konnte sich nur durch einen Dolmetscher verständlich machen. Die Verteidigung machte nach Angaben des TV-Senders Fox News geltend, der junge Afrikaner sei erst 16 Jahre alt. Die Staatsanwaltschaft erklärte dagegen, er sei mindestens 18 Jahre. Die Ermittler werfen ihm vor, Rädelsführer der vier Seeräuber gewesen zu sein. Die Piratengruppe hatte am 8. April das US-Containerschiff „Maersk Alabama“ überfallen und den Kapitän fünf Tage lang als Geisel auf einem Rettungsboot festgehalten. Der jetzt Beschuldigte befand sich zu Verhandlungen auf einem US-Kriegsschiff, als Scharfschützen von dort aus seine drei Komplizen bei der Befreiung des Kapitäns erschossen. Der Fall soll vor dem Bundesgericht in Manhattan verhandelt werden, das Erfahrung mit Verbrechen an Amerikanern im Ausland hat, hieß es. Nach internationalem Recht kann jedes Land Piratenattacken verfolgen, wenn sie in internationalen Gewässern geschehen. Für die USA wäre es der wohl erste Prozess wegen Seeräuberei seit mehr als hundert Jahren. (dpa)
Somalischer Pirat in New York vor Gericht
Geiselnehmer des amerikanischen Frachterkapitäns hat keinen Anspruch auf Jugendstrafrecht