Seehafen-Hinterland-Verkehr: Hamburg will mehr Binnenschifffahrt

24.07.2008 10:32 Uhr
Binnenschifffahrt 290
Hamburg setzt auf Binnenschifffahrt (Bild: Arndt)
© Foto: Arndt

Auch für die hafeninternen Umfuhren soll das Binnenschiff stärker herangezogen werden, Senat vergibt Konzeptstudie

Hamburg. Der Verkehrsträger Binnenschiff soll im Seehafen-Hinterland-Verkehr des Hamburger Hafens eine größere Rolle spielen. Dieses Ziel verfolgt der neue Schwarz-Grüne Senat. Die für die Hafenentwicklung zuständige Wirtschaftsbehörde vergab jetzt an die Hamburger Firma Uniconsult den Auftrag für eine Konzeptstudie. Axel Gedascko, Hamburgs Hafensenator, schreibt dem Verkehrsträger Binnenschiff nicht nur in Hamburg, sondern im gesamten Elbstromgebiet eine Schlüsselrolle zu. Schließlich verfüge dieser Verkehrsträger „über dringend benötigte Kapazitäten“. Aufgrund der steigenden Energiepreise werde das Binnenschiff „ökonomisch immer interessanter“. Das gelte auch hinsichtlich seiner Umweltverträglichkeit. Bestandteil der Untersuchung soll auch die Frage sein, welche Möglichkeiten das Binnenschiff bei der Containerumfuhr innerhalb des weitläufigen Hamburger Freihafengebietes spielen könnte. Bislang trägt die Hauptlast der so genannten „Hafenumfuhren“ der LKW. Aufgrund des starken Containermengenwachstums kommt es vor allem während der morgendlichen und abendlichen Verkehrsspitzenzeiten immer wieder zu langen LKW-Staus im Hafen. Auch See-Feeder-Schiffe spielen bei der Hafenumfuhr inzwischen eine gewisse Rolle, da sie in der Regel alle vorhandenen, aber räumlich voneinander getrennten Containerterminals anlaufen. Die Forderung, das Binnenschiff für diese Containertaxi-Transporte stärker zu nutzen, ist auch im Koalitionsvertrag zwischen der CDU und der GAL verankert. Dass die Binnenschifffahrt für Hamburg bei der Bewältigung des Containeraufkommens bislang noch eine Rolle „unter ferner liefen“ spielt, hat mehrere Gründe. So fehlt es im Hafen zum Beispiel über eine ausreichende Anzahl von Binnenschiffsliegeplätzen an den großen Containerterminals. Ein Binnenschiffsexperte brachte die Situation in Hamburg auf einer Veranstaltung der Süderelbe AG in Scharnebeck/Elbe kürzlich auf diesen Punkt: „Erst kommen die Containerfrachter, dann folgen die Feeder, dann findet der Überstundenabbau für die Mitarbeiter statt und dann kommt das Binnenschiff.“ Ein weiterer Engpass stellt das mehr als 30 Jahre alte Schiffshebewerk in Scharnebeck an der Elbe statt, das Bestandteil des Elbe-Seiten-Kanals („Heide Suez“) ist. Die Ertüchtigung dieser Schlüsseleinrichtung soll erst in der nächsten Dekade stattfinden. Für den Transport auf der Oberelbe bis hin nach Tschechien fehlt es den Binnenschiffsbetreibern zudem an einer ganzjährigen, garantierten und damit berechenbaren Mindestwassertiefe, um entsprechende Transportmengen aufzunehmen. Aus ökologischen Gründen sind Stromanpassungsmaßnahmen im oberen Bereich der Elbe – sehr zur Enttäuschung der Tschechen – seiten Berlins nicht vorgesehen. Den Hamburger Hafen bedienten 2007 nach Erhebungen des Statistikamtes Nord rund 11 200 Binnenschiffe. Das entspricht einem Zuwachs um gut zwölf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Vor allem im Containerverkehr mit dem Hamburger Hafen konnte das Binnenschiff punkten. Rund 92 130 TEU wurden 2007 an- und abtransportiert, ein Plus von 1,6 Prozent. Zur Einordnung: Der Elbehafen schlug 2007 rund 9,9 Millionen TEU um. Bedeutende Mengenzuwächse gab es im Binnenschiffsverkehr von und nach Hamburg 2007 auch bei festen und flüssigen Massengütern wie Heizöl und Kraftstoffen sowie Kohle. (eha)

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