Wiesbaden. Waren aus Deutschland sind in aller Welt beliebt wie nie. Obwohl die Konjunktur in den Euro-Partnerländern weiter schwächelt und die Ausfuhren in das kriselnde Russland eingebrochen sind, haben die heimischen Autohersteller, Maschinenbauer und anderen Exporteure 2014 den bisherigen Rekord von 2012 nochmals übertroffen. Weltweit kauften Kunden deutsche Produkte im Wert von 1133,6 Milliarden Euro - ein Plus von 3,7 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Experten sind sich einig: Die Erfolgsgeschichte setzt sich 2015 fort.
Hoffnung macht vor allem der anhaltend schwache Euro. Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen in der Eurozone praktisch abgeschafft und flutet den Markt mit billigem Geld. Seit Monaten verliert Europas Einheitswährung daher gegenüber dem Dollar an Wert.
Das wirkt wie Rückenwind für die Exporteure, weil ihre Waren in Asien oder Amerika in dortiger Währung gerechnet günstiger werden. „Die Abwertung des Euro führt zu einer kräftigeren Auslandsnachfrage”, erklärt der Konjunkturexperte des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), Simon Junker. Und: Während die US-Zentralbank Fed vor einer Zinswende nach oben steht, bleibt das Geld im Euroraum wohl auf Jahre extrem billig. Ein nennenswerter Anstieg des Eurokurses ist daher nicht in Sicht.
Deutsche Exporte profitieren vom schwachen Euro
Vor allem das exportstarke Deutschland dürfte davon profitieren. „Die Absatzmärkte der deutschen Exportwirtschaft liegen zu fast zwei Dritteln außerhalb des Euroraums, und die preisliche Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Produkte verbessert sich mit dem schwächeren Euro”, betont DZ-Bank-Chefvolkswirt Stefan Bielmeier.
Hinzu kommt der niedrige Ölpreise, der derzeit nicht nur die deutsche Binnenkonjunktur befeuert. „Er hilft auch den Exporteuren, weil er ein globales Konjunkturprogramm ist”, sagt Unicredit-Ökonom Andreas Rees. Insgesamt könne Deutschland optimistisch ins neue Jahr schauen.
Noch wichtiger ist aus Sicht von Helaba-Ökonom Stefan Mütze aber das Wachstum in wichtigen Abnehmerländern wie den USA und China. Auch in der krisengeschüttelten Eurozone dürfte es in diesem Jahr wieder etwas bergauf gehen - falls die unsichere Lage in Griechenland nicht zu neuen Turbulenzen führt. In ihrer Winterprognose sagte die Europäische Kommission jedenfalls voraus, dass die Wirtschaft 2015 erstmals seit 2007 wieder in allen EU-Mitgliedstaaten wachsen wird.
Für die EU insgesamt wird ein Plus der Wirtschaftsleistung von 1,7 Prozent erwartet, für den Euroraum von 1,3 Prozent. Mit Frankreich, den Niederlanden, Österreich, Italien und Belgien liegt immerhin die Hälfte der deutschen Top-Ten-Absatzmärkte im Euroraum. Hinzu kommen in der EU noch Großbritannien und Polen.
Düstere Aussichten im Russland-Geschäft
Düster sind die Aussichten hingegen im Russland-Geschäft. Das Land werde wegen der gestörten Handelsbeziehungen und des drastischen Rubel-Verfalls 2015 in eine Rezession fallen, glaubt Ökonom Mütze.
Der Vorsitzende des Ost-Ausschusses der Deutschen Wirtschaft, Eckhard Cordes, hatte kürzlich gesagt, dass der Einbruch der deutschen Exporte nach Russland um knapp 20 Prozent einen Verlust von 60.000 Arbeitsplätzen bedeute - bei 300.000 Stellen insgesamt, die in Deutschland vom russischen Markt abhängig seien. Und die Krise sei noch längst nicht überwunden, warnte Cordes: „2015 und 2016 werden brutal schwierig.v
Der Außenhandelsverband BGA ist trotz schwelender Risiken wie der umstrittenen Euro-Schuldenpolitik oder dem Ukraine-Russland-Konflikt zuversichtlich für 2015. BGA-Präsident Anton F. Börner erklärte: „Wir rechnen damit, das Vorjahresergebnis in 2015 mit einem Wachstum in Höhe von 4 Prozent sogar noch einmal übertreffen zu können.”
Gleichzeitig werden die Importe demnach um 3,5 Prozent auf 946,1 Milliarden Euro steigen. Damit dürften die Exporte neben dem privaten Konsum auch 2015 wieder eine wichtige Stütze des deutschen Wirtschaftswachstums werden. (dpa)