Södertälje/Wolfsburg. Der Scania-Aufsichtsrat begründete seine Ablehnung des offiziellen MAN-Übernahmeangebotes von 10,3 Milliarden Euro in Södertälje mit einer „substanziellen Unterbewertung von Scania“. Zudem würden mit den „von MAN und deutschen Gewerkschaften vereinbarten, langfristigen Job-Garantien praktisch alle Kosteneinsparungen durch Personalreduzierungen auf die produktiveren Scania-Einheiten verlagert“. Der Volkswagen-Konzern als größter Eigner des schwedischen Unternehmens mit 34 Prozent der Stimmrechtsanteile beteiligte sich nicht an der Abstimmung in Södertälje. VW ist auch größter Eigner bei MAN und befürwortet ein Zusammengehen beider Unternehmen. Ein Konzern-Sprecher wollte die Ablehnung des Angebotes am Freitag nicht kommentieren. Scania kündigte für 2006 eine Sonderausschüttung an die Aktionäre zwischen sieben und zehn Milliarden Kronen (775 Millionen bis 1,1 Milliarden Euro) an. In der einstimmig gefassten Ablehnung hieß es weiter, die von dem Münchner Unternehmen angekündigten Einsparungen bei einem Zusammengehen der beiden LKW- und Bus-Hersteller seien zwar langfristig möglich. Kurzfristig dagegen „könnten diese Synergieeffekte stark überschätzt sein“. Zur Begründung hieß es: „Das liegt neben anderen Dingen an den deutschen Job-Garantien, die eine zeitlich angemessene Verwirklichung von Synergien behindern.“ MAN-Chef Håkan Samuelsson hatte sich im Sommer mit der IG Metall auf eine Arbeitsplatzgarantie für 7000 Beschäftigte als Gegenleistung für längere Arbeitszeiten geeinigt. Für den Scania-Aufsichtsrat sagte dessen Sprecherin Peggy Bruzelius: „Scania ist ein starkes Unternehmen und als Klassenbester der gesamten Branche bestens auch als selbstständige Einheit für die Zukunft gerüstet.“ Für den nach VW zweitgrößten Eigner, der schwedischen Finanzgesellschaft Investor, sagte Unternehmenssprecher Fredrik Lindgren, man halte an der bisherigen Ablehnung des MAN-Angebotes fest. VW beteiligt sich nicht an den Entscheidungen im Scania-Aufsichtsrat, weil der Wolfsburger Konzern auch größter Anteilseigner bei MAN ist und dem Münchner Unternehmen die eigenen Scania-Aktien überlassen will, wenn auch Investor grünes Licht für eine Übernahme gibt.
Scania gibt MAN einen Korb und greift deutsche Job-Garantien an
Der schwedische Nutzfahrzeughersteller Scania hat den Konflikt um das Übernahmeangebot seines Konkurrenten MAN am Freitag mit Angriffen auf deutsche Arbeitsplatzgarantien erneut verschärft.