Rostock/Berlin. Die Fährreederei Scandlines will bis zu 400 der rund 2400 Stellen streichen. Das teilte das Unternehmen am Dienstag in Rostock mit. Seit Sommer 2008 zeige die internationale Finanz- und Wirtschaftskrise auch Auswirkungen auf das Geschäftsergebnis von Scandlines, hieß es zur Begründung. Für 2009 rechne das Unternehmen mit einem weiteren Rückgang des Transportvolumens auf allen Linien. Nach Angaben der Gewerkschaft Transnet soll im Zuge der Sparmaßnahmen die Zahl der Beschäftigten in Rostock halbiert werden. Dort sind nach früheren Angaben von Scandlines rund 100 Mitarbeiter beschäftigt. Hier soll es besonders die Beschäftigten in der Verwaltung in Warnemünde treffen. Einige Bereiche sollen nach Puttgarden (Schleswig-Holstein) verlegt werden, wie es hieß. Grund für die Streichungen sind laut Transnet neben rückläufigen Transportzahlen auch Schwierigkeiten der Reederei durch den hohen Kaufpreis bei der Übernahme im Juni 2007. Damals hatte ein Konsortium aus den beiden Finanzinvestoren Allianz Capital Partners und 3i aus Großbritannien sowie der Deutschen Seereederei (DSR) in Rostock die Fährreederei zu einem Preis von 1,56 Milliarden Euro übernommen. Frühere Eigner waren je zur Hälfte die Deutsche Bahn und die dänische Regierung. „Es ist schier unfassbar, was uns das Management heute eröffnet hat“, kommentierte Transnet-Vize Wolfgang Zell laut Mitteilung die Pläne von Scandlines nach einem Treffen. Der vorgesehene Stellenabbau sei nicht akzeptabel, vor allem weil die schwierige finanzielle Situation hauptsächlich auf das mit dem Verkauf der Reederei gewählte Finanzmodell zurückzuführen sei. Mit den Folgen der Wirtschaftskrise allein wäre das Unternehmen seiner Ansicht nach zurechtgekommen. Zell erinnerte an den Sicherungstarifvertrag, der betriebsbedingte Kündigungen bis Ende 2010 ausschließe. Das Management habe die Gewerkschaften aufgefordert, den Tarifvertrag außer Kraft zu setzen. Es gebe aber keinen nachvollziehbaren Grund, dieser Aufforderung nachzukommen. Zell warf dem Management vor, sein Handeln nur darauf auszurichten, die von den Banken vorgegebenen Kenngrößen zu erfüllen. Außer der Rotstiftpolitik gebe es keine innovativen Ideen, die Reederei in ruhiges Fahrwasser zurückzubringen. Die Gewerkschaften forderten die Landesregierungen in Schwerin und Kiel zum Handeln auf. Es dürfe nicht zugelassen werden, dass Scandlines ausblute. Ein Sprecher des Wirtschaftsministeriums in Schwerin wollte die Angaben von Transnet nicht kommentieren. Das Ministerium habe großes Interesse am Erhalt des Scandlines-Standortes Rostock, sagte er. (dpa/sv)
Scandlines will bis zu 400 Stellen streichen
Finanz- und Wirtschaftskrise veranlasst Fährreederei zu Entlassungen