Rostock. Die Fährreederei Scandlines baut wegen der Wirtschaftskrise vorzeitig Arbeitsplätze ab. Unternehmenssprecher Frank Havemann bestätigte am Donnerstag in Rostock nach einer Belegschaftsversammlung einen Bericht des Senders „NDR 1 Radio MV“, wonach 400 der 2400 Stellen im gesamten Konzern gestrichen werden sollen. Die strukturelle Anpassung war laut Havemann bis 2011 ohnehin vorgesehen. Wegen des Einbruchs beim Frachtaufkommen sollen die Einsparungen - je zur Hälfte in Deutschland und Dänemark - früher erfolgen, „«um 2000 Arbeitsplätze zu erhalten“, wie er sagte. Einen genauen Zeitplan gebe es noch nicht. Zudem soll bis zum Jahresende die Verwaltung in Puttgarden in Schleswig-Holstein konzentriert werden. Davon seien an allen Standorten Verwaltungsmitarbeiter betroffen. Eine Verlagerung des Firmensitzes Rostock sei nicht in der Diskussion, betonte Havemann. Derzeit arbeiten in Rostock rund 400 Beschäftigte. Etwa 70 Stellen könnten dort wegfallen, weitere in Sassnitz. Einem Teil der Mitarbeiter würden Stellen in Puttgarden angeboten, sagte Havemann. Ein Interessenausgleich und ein Sozialplan seien bereits erarbeitet worden. Die Wirtschaftskrise hat laut Scandlines das Frachtaufkommen in den ersten fünf Monaten 2009 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 25 Prozent einbrechen lassen, das Passagieraufkommen sank um 10 Prozent. Dazu kommen 1,1 Milliarden Euro Schulden im Zusammenhang mit dem Verkauf der Fährreederei im Juni 2007. Früheren Angaben zufolge mussten im vergangenen Jahr 71 Millionen Euro an Zinsen gezahlt werden. Dies entsprach mehr als der Hälfte des Ergebnisses vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) von 139 Millionen Euro. Vor rund zwei Jahren war Scandlines für 1,56 Milliarden Euro an ein Firmenkonsortium verkauft worden. Neue Besitzer sind die 3i Group, die Allianz Capital Partners G (je 40 Prozent) und die Deutsche Seereederei (20 Prozent). Scandlines betreibt acht Fährlinien zwischen Deutschland, Dänemark und Schweden sowie Lettland und Finnland. 2008 transportierte Scandlines mehr als 17,6 Millionen Passagiere, 3,6 Millionen Autos sowie 1,1 Millionen Lastwagen und Trailer im Ostseeraum. (dpa)
Scandlines baut vorzeitig Stellen ab
400 Mitarbeiter müssen gehen: Fährreederei zieht wegen der Wirtschaftskrise Sanierung vor