Privatbahnen auf Expansionskurs in Europa

24.05.2004 17:12 Uhr

Zeitung: Rail4Chem holt als erstes privates Bahn-Cargo-Unternehmen eine Lizenz für Zugfahrten in Frankreich

Düsseldorf. Die deutschen Privatbahnen erobern langsam die bisher abgeschotteten nationalen Märkte Europas. Wie das "Handelsblatt" in seiner Montagsausgabe berichtet, plant das Bahn-Cargo-Unternehmen Rail4Chem ab 2005 Züge des Kombinierten Verkehrs nach Großbritannien. Die Tochter der BASF und dreier Speditionen wolle dabei mit eigenen Loks durch Frankreich bis zum Kanaltunnel fahren. Geschäftsführer Matthias Raith sprach gegenüber der Wirtschaftszeitung von "sehr kooperativen Verhandlungen" mit den französischen Behörden. Rail4Chem erwägt den Angaben zufolge den Einsatz von Mehrsystemloks, die mit Strom- und Signaltechnik für das deutsche und das französische Netz ausgestattet sind. Das Unternehmen wolle die Maschinen vor lang laufende Güterzüge – etwa von Süddeutschland aus bis nach Calais – spannen. Dort übernehme dann die Kanaltunnelgesellschaft Eurotunnel die Züge und fahre sie bis zu einem Güterbahnhof im Süden Englands. Von dort aus würden die Sendungen per Straße weiter verteilt. Raith sieht das Angebot insbesondere als Konkurrenz zum Fährverkehr über den Kanal. Von Nürnberg bis Südengland zum Beispiel könne die Bahn "unschlagbare" Reisezeiten von 26 Stunden anbieten, so der Manager weiter. Im umkämpften Güterverkehrsmarkt zwischen Deutschland und Italien hat die deutsche TX Logistik AG die Lizenz für den Zugbetrieb in der Schweiz erhalten. Auf der Alpentransit-Route über den Gotthard drängeln sich neben der SBB Cargo damit drei deutsche Wettbewerber: Railion und Rail4Chem sind schon vertreten. "Kein Problem, Slots auf dem Gotthard sind immer noch verfügbar", sagte TX-Vorstandschef Raimund Stüer dem "Handelsblatt". Das Unternehmen erwarte zudem in Kürze auch die Netzzugangsbewilligung für Österreich und werde dann verstärkt auf die Brenner-Route gehen, hieß es. Mehr Tempo als der LKW will auch die Railion AG auf der Langstrecke nach Südosteuropa anbieten. In einer Testfahrt mit Sondergenehmigungen der beteiligten Bahnen fuhr ein Güterzug Anfang Mai von Istanbul nach Köln (wir berichteten). Die Strecke wurde dabei in 80 Stunden zurückgelegt. Zunächst einen, später zwei Shuttle-Züge pro Woche soll die bei der Bahn-Logistiktochter Stinnes angesiedelte Railog in Zukunft vermarkten. Die Türkei exportiere in wachsendem Umfang Konsumgüter nach Deutschland, sagte Railog-Geschäftsführer Günther Ferk. Doch der Laderaum auf der Straße werde zunehmend knapp. (pad)

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