München. Sepa, Iban und BIC: Noch immer wissen nicht alle Unternehmen etwas mit diesen Abkürzungen anzufangen. Laut einer Umfrage der Commerzbank unter 6000 Firmenkunden haben sich 34 Prozent der Mittelständler bisher noch gar nicht mit Sepa beschäftigt. Das Kürzel steht für Single Euro Payments Area, also den einheitlichen europäischen Zahlungsverkehrsraum. Und in dem wird künftig nicht mehr zwischen Inlands- und Auslandszahlungsverkehr unterschieden. Gleichzeitig löst die International Bank Account Number (Iban) und der Business Identifier Code (BIC) ab 1. Februar 2014 die Kontonummer und Bankleitzahl ab. Künftig sind auch Transfers innerhalb Deutschlands nur noch unter Angabe der Iban möglich.
„Leider ignorieren noch viel zu viele mittelständische Unternehmen dieses Datum und gefährden damit ihre Zahlungsfähigkeit“, sagt André Junker, Firmenkundenberater bei der Volksbank Mittelhessen. „Sepa-Überweisung und Sepa-Lastschrift lösen die bislang üblichen Verfahren unwiderruflich und ohne weitere Übergangsfristen ab“, betont er. Unternehmen, die sich nicht darum kümmern, liefen Gefahr, ihre Verbindlichkeiten nicht mehr pünktlich bezahlen zu können. Umgekehrt komme es ebenfalls zu verzögerten Geldeingängen, wenn Auftraggeber es nicht schaffen, rechtzeitig auf Sepa umzustellen, sagt Junker. Angesichts oft leerer Kassen und dünner Eigenkapitaldecken sorgt sich er vor allem um die Logistikbranche.
Erst jede vierte Firma hat umgestellt
„Dieser Umsetzungsstand macht uns große Sorgen, denn es zeichnet sich eine Bugwelle ab, die zum Jahresende auf die Banken und Beratungsunternehmen zukommt“, sagt Klaus Windheuser, Global Head Cash Management und International Business der Commerzbank. Die Deutsche Bundesbank fürchtet Ähnliches: In Deutschland sind demnach derzeit erst sieben Prozent der rund 18 Milliarden Überweisungen und Lastschriften pro Jahr auf Sepa umgestellt worden.
„Insbesondere bei Sepa-Lastschriften müssen Unternehmen komplexe Prozesse beachten. Es reicht nicht aus, die Bankverbindung des Zahlungspflichtigen auf Iban und BIC zu konvertieren“, erklärt Junker. Schwierigkeiten drohen nach Einschätzung des Volksbank-Experten darüber hinaus, wenn Zahlungen durch Daten aus der Unternehmens-IT initiiert werden. In diesen Fällen müsse man den gesamten Zahlungsvorgang beachten. „Nicht nur die Banking-Software muss Sepa-fähig sein, sondern bestenfalls auch die vorgelagerte Unternehmens-Software, da ab dem Stichtag alle Datensätze im einheitlichen XML-Format nach ISO-Standard 20022 an die Banken übertragen werden müssen.“ Deshalb sei es ratsam, sich so schnell wie möglich beim Software-Anbieter oder -Programmierer bezüglich der Sepa-Fähigkeit zu erkundigen. (eee)