Niederländisches Transportgewerbe kämpft gegen Überkapazität

24.11.2009 17:15 Uhr
Niederländischer LKW
Das niederländische Transportgewerbe zeigt sich von der Wirtschaftskrise schwer getroffen
©Foto: Eckhard-Herbert Arndt

Große Teile des niederländischen Güterkraftverkehrs- und Logistikgewerbes plagen weiterhin ungenutzte Transportkapazitäten sowie ein Personalüberhang

Zoetermeer. Große Teile des niederländischen Güterkraftverkehrs- und Logistikgewerbes plagen weiterhin ungenutzte Transportkapazitäten sowie ein Personalüberhang. Das geht aus der jetzt veröffentlichten Konjunkturumfrage des niederländischen LKW-Verbandes TLN aus Zoetermeer unter seinen Mitgliedern hervor. Dabei gab 43 Prozent der Firmen an, derzeit auf einem zu umfangreichen Fuhrpark zu sitzen. Der Kapazitätsauslastungsdruck sei besonders bei den Unternehmen ausgeprägt, die über einen sehr große Fuhrpark verfügen. Gut ein Drittel der Firmen erklärte, dass sie weiterhin zu viele Mitarbeiter hätten, und zwar über alle Berufsgruppen gesehen. Nach TLN-Erkenntnissen baute sich dieser Überhang per Fahrzeugmaterial und Mitarbeitern mit dem Ausbruch der Weltwirtschaftskrise im 4. Quartal 2008 auf. Noch 2007 litt die Branche unter einem akuten Facharbeitermangel, allen voran bei LKW-Fahrern. Indes macht der TLN unter seinen Mitgliedern so etwas wie einen vorsichtigen Optimismus aus, dass die Talsohle erreicht und langsam durchschritten werde. Das gelte im Besonderen für den grenzüberschreitenden Verkehr mit Deutschland, Belgien aber auch dem UK. Für das vierte Quartal 2009 rechnet ein Viertel der Firmen mit einer Zunahme der Transportaufträge. Allerdings: Ein weiteres Viertel stellt sich auch auf einen Auftragsrückgang ein. Die Erholung des innerniederländischen Verkehrs hänge sehr stark von der konjunkturellen Erholung ab. Das Verbrauchervertrauen bewege sich weiterhin auf einem Tiefpunkt, so der TLN, auch wenn die Regierung sich mit einer Vielzahl von Stützungsmaßnahmen bemühe, den Konjunkturmotor wieder in Fahrt zu bringen. „Das Schicksal der niederländischen Volkswirtschaft liegt ganz und gar in den Händen der Verbraucher“, fasst der TLN zusammen. Für 2009 rechnet das Statistische Landesamt der Niederlande (CBS) mit einem Rückgang des niederländischen Bruttosozialprodukts von 4,75 Prozent. Das Gewerbe leidet im großen Stil unter den Folgen des Preisverfalls. Gut 45 Prozent der Betriebe erklärte, dass sie ihre Transportdienstleistungen zu schlechteren Preisen erbringen müssten als 2008. Die extrem knappe Gewinnmarge gerate damit weiter unter Druck. Die Preisnachlässe wurden - und werden - mehrheitlich durch die Auftraggeber erzwungen. Nicht oder schlecht ausgelastete Kapazitäten, schrumpfende Gewinne und weiterhin eine schwierige Zukunftseinschätzung schlagen sich auch in den Investitionsplänen der Firmen nieder. Gerade einmal 20 Prozent der Firmen erklärte, noch in neues Fahrzeugmaterial investieren zu wollen. In 37 Prozent dieser Fälle gehe es jedoch nur um das Ersetzen alten Materials. (eha)

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