Berlin. Vorstandschef Hartmut Mehdorn bot Verkehrsminister Wolfgang Tiefensee (SPD) am Donnerstag an, "unkritische Passagen" freizugeben, die von den Gutachtern zuvor ohne Mitwirkung des Konzerns unleserlich gemacht worden seien. Geschützt bleiben müssten nur vertrauliche Daten etwa zur Finanzplanung. Die Bahn bekräftigte zudem, dass sie keine Pläne für Streckenstilllegungen verfolge. Im Bundestags-Verkehrsausschuss hatten am Mittwoch geschwärzte Passagen im Gutachten zu diesem Thema Ärger bei den Abgeordneten ausgelöst. Nach Angaben des Grünen-Verkehrsexperten Winfried Hermann wird darin die Bahn-Einschätzung wiedergegeben, wonach "eine eher staatsnahe Infrastrukturgesellschaft ... nicht in der Lage (wäre), Rationalisierungen des Netzes in dem Ausmaß und der Geschwindigkeit wie ein privatisierter, integrierter Konzern vorzunehmen". Hermann schloss daraus, die Bahn wolle nach dem Gang an den Kapitalmarkt Streckenabschnitte in großem Umfang stilllegen. Die Bahn bezeichnete die Formulierungen der Gutachter "zumindest als missverständlich". Als vertraulich seien sie zudem nicht einzustufen. In der Sache könne die Bahn überdies nicht allein über die Aufgabe von Strecken entscheiden. In dem Gutachten im Auftrag des Bundesverkehrsministeriums werden fünf Modelle analysiert, ob das 35.000 Kilometer lange Gleisnetz beim Börsengang im Konzern bleiben oder herausgelöst werden sollte. Tiefensee strebt an, spätestens im Herbst Klarheit über die Form der geplanten Teilprivatisierung der Bahn herzustellen.
Nach Wirbel um geschwärzte Gutachten-Teile: Bahn um Ausgleich bemüht
Die Deutsche Bahn will nach dem Wirbel um geschwärzte Passagen in einem neuen Gutachten zum geplanten Börsengang die Wogen glätten.