Luftverkehr im Aufwind

19.10.2006 11:05 Uhr

Branche fordert politische Unterstützung: Wachstumschance nicht durch Umweltschutz- und Sicherheitsbürokratie behindern

Berlin. Die Luftverkehrsbranche in Deutschland fordert von der Politik ein stärkeres Eintreten für attraktive Standortbedingungen. „Der Luftverkehr befindet sich im Aufwind“, sagte Jürgen Thumann, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI) am Donnerstag auf dem 4. deutschen Luftverkehrskongress in Berlin. „Die Politik ist gefordert, ihren Teil dazu beizutragen, dass die Branche ihre Chancen auch tatsächlich voll nutzen kann.“ Thumann erwartet weiterhin ein jährliches Wachstum zwischen vier und fünf Prozent für die Branche. Um dieses nicht zu gefährden lehnt der BDI-Präsident „schädliche Alleingänge“ der Europäischen Union beim Emissionshandel ab. Er befürchte eine einseitige Belastung europäischer Unternehmen und forderte weltweit abgestimmte Lösungen. Auch im Bereich Sicherheit fehle es an abgestimmten Konzepten: „Die USA und die EU produzieren kostenintensive Maßnahmen am laufenden Band“, so Thumann. Er frage sich, ob dabei immer Kosten und Nutzen im Einklang stünden. Auch Lufthansachef Wolfgang Mayrhuber sprach sich deutlich gegen individuelle Standards aus. Von der Politik forderte er ein „klares Bekenntnis zur Luftfahrt“. Angesichts der aktuellen Krise des europäischen Flugzeugherstellers Airbus beim Riesenjumbo A380 sprach sich der Präsidialgeschäftsführer des Bundesverbandes der Deutschen Luft- und Raumfahrtindustrie (BDLI) Hans-Joachim Gante gegen einen Einstieg des Staates beim Mutterkonzern EADS aus. Einer Staatsbeteiligung stünde er „sehr, sehr skeptisch gegenüber“. Nur als letzte Lösung könne er sich einen Einstieg der bundeseigenen Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) für eine zeitlich klar befristete Zeit vorstellen. Ähnlich äußerte sich BDI-Präsident Thuman, welcher eine „privatwirtschaftliche Lösung“ aussprach. Gante und Thumann forderten darüber hinaus die Anteilseigner Frankreich und Spanien auf, ihre Staatsbeteiligung an EADS zu reduzieren. „Airbus hat trotz der A380-Problematik noch nie so viele Flugzeuge ausgeliefert wie im Jahr 2006“, betonte Gante. Die derzeitige Krise beim A380 solle man deshalb nicht überbewerten, auch wenn er ernsthafte Auswirkungen für die deutsche Zulieferindustrie befürchte. (sb)

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