Frankfurt/Main. Die Deutsche Lufthansa setzt mitten in der globalen Wirtschaftskrise ihre Einkaufstour fort und baut damit ihre Stellung als eine der weltweit größten Airlines aus. Die Europäische Kommission gab am Montag grünes Licht für die Übernahme der belgischen Fluggesellschaft Brussels Airlines. Zugleich teilte die Lufthansa mit, sie habe sich mit dem Großaktionär Sir Michael Bishop auf die Aufstockung ihres Anteils an British Midland (BMI) von 30 auf 80 Prozent geeinigt. Die übrigen 20 Prozent gehören derzeit noch der skandinavischen SAS. British Midland zählt pro Jahr rund zehn Millionen Passagiere. Sie verfügt über elf Prozent aller Start- und Landerechte am Londoner Flughafen Heathrow und gilt deshalb als strategisch interessant. So könnte sie zunehmend der Lufthansa-Konkurrentin British Airways zusetzen. In den vergangenen Jahren war BMI allerdings zunehmend in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, 2008 hatte dann die globale Wirtschaftskrise BMI stark zugesetzt. Für die Aufstockung ihres Anteils zahlt Lufthansa jetzt einen dreistelligen Millionenbetrag. Zunächst erhält Bishop 175 Millionen Pfund (mehr als 200 Millionen Euro) für seinen Verzicht auf eine schon früher vereinbarte Verkaufs-Option und ein Gerichtsstreit darum wird beendet. Zudem legt eine Lufthansa-Tochter 48 Millionen Pfund für das 50-Prozent-Paket auf den Tisch. Aus luftfahrtrechtlichen Gründen erfolgt das Geschäft schrittweise und mit Hilfe eines Treuhänders. Kauf von Brussels Airlines genehmigt Für die Erlaubnis zur Übernahme von Brussels Airlines machte die Lufthansa Zugeständnisse bei den Wettbewerbshütern. So wird sie auf vier Routen in die belgische Hauptstadt Brüssel Platz für andere Airlines machen. Damit will die EU-Kommission verhindern, dass die Lufthansa gemeinsam mit ihrer neuen Tochter eine monopolartige Stellung erhält. Betroffen sind Verbindungen von Brüssel nach Frankfurt, Hamburg, München und Zürich. Brussels Airlines zählte zuletzt rund fünf Millionen Passagiere im Jahr. Sie gilt für Lufthansa als besonders interessant, weil sie eine Reihe von Verbindungen nach Afrika anbietet – einem Gebiet, in dem Lufthansa bislang schwach aufgestellt ist. Die Belgier können dagegen von ihrer kolonialen Vergangenheit in Afrika profitieren. Für Brussels Airlines ist die Übernahme interessant, um zusätzliche Kunden aus dem Lufthansa-Netz anzuziehen und durch Mengenrabatte preiswerter an neue Flugzeuge zu kommen. Eine Sprecherin der Lufthansa kündigte in Frankfurt an, dass die Übernahme noch in diesem Monat abgeschlossen werden soll. Zunächst wird das deutsche Unternehmen für 65 Millionen Euro knapp die Hälfte der Mutter-Gesellschaft von Brussels Airlines übernehmen. Zudem gibt es eine Option auf die verbleibenden 55 Prozent ab dem Jahr 2011. Der Preis dafür sei stark von den wirtschaftlichen Ergebnissen in den kommenden Jahren abhängig. Der Gesamtpreis könnte sich den Verträgen zufolge auf bis zu 250 Millionen Euro belaufen. AUA-Übernahme wird noch von EU geprüft Noch offen ist die ebenfalls bereits vereinbarte Übernahme der Austrian Airlines (AUA) durch die Lufthansa. Hier prüft die EU noch kartellrechtliche Fragen und eine Subvention durch die Regierung in Österreich. Zuletzt war die Prüfung bis zum 1. Juli verlängert worden. Abgeschlossen ist dagegen die Integration der Schweizer Swiss, die bereits 2003 vereinbart worden war. In der Branche wird auch über weitere Lufthansa-Übernahmen spekuliert - darunter die polnische LOT oder die SAS. Überlegungen zur Fusion mit Alitalia oder Iberia hatten dagegen zu keinem Ergebnis geführt. (dpa/pi)
Lufthansa beschleunigt europäische Einkaufstour
Deutsche Lufthansa übernimmt British Midland und Brussels Airlines